Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Das Ackerbau-Werk
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 413 - 414 (sequence 3)
- Language
- German
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413 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Pas Ackerbau-Werk. 414 Boden-Verbesserungen und Grundanlagen. Olivenbäurne............Fr. 160,20 Holzanbau . . ...........„ 700,— Setzen der Grenzsteine........,, 139,05 Orangengärten............„ 3881,80 Brücken und Wege.........„ 706,90 Neuer Weinberg .......... „ 340,35 Bauten...............„ 440,95 Urbarmachung............., 22,25 Kellerei und Bestelhm^smaterial ... „ 239,— Viehankauf....... . „ 2690,— Summa Fr. 9320,50 Einnahmen : Spende des Konsistoriums von Bordeaux Fr. 45,— Ertrag des Küchengartens......„ 2 476,55 „ Geflügelhofs ........„ 152,30 „ der Schäferei.........„ 1030,85 „ Stallungen.........„ 3 349,95 ,, Weinberge und des Kellers . „ 30 132,65 „ Mandelbäume.......„ 1 383,25 Baumschulen......... 2 821,45 ,, Orangengärten......... 8 748,85 „ Höfe und Wege......„ 818,40 Seidenzucht . .......„ 329,05 „ „ Zuckerstauden.......„ 380,95 „ Bestellung . .......„ 19 891,25 Summa Fr. .70 867,50 2. Farmschule von Djedeida. Herr Avigdor, der vortreffliche Direktor der Farmschule von Djedeida, berichtet: Bewegung der Schüler: Die Gesamtzahl unserer Zöglinge war am 1.Oktober 1905 60. Davon kommen auf den ersten Jahrgang 20, auf den zweiten 16, auf den dritten 8, auf den vierten 11, auf den fünften 5. Von diesen Zöglingen schieden 18 aus, 15 wurden im Oktober 1906 aufgenommen, die gegenwärtige Zahl beträgt 55. Von den im vorigen Jahr ausgeschiedenen 18 Zöglingen hatten 5 den fünften Jahrgang durchgemacht, 5 den vierten, einer den dritten, 3 den zweiten und 4 den ersten. Drei Zöglinge kehren aus Gesundheitsrücksichten in ihre Heimat zurück, ein vierter wurde von seinen Eltern nach Varna berufen, wo er seine Studien in einer Landwirtschaftsschule fortsetzt; 2 andere haben uns im ersten Halbjahr ihres Aufenthaltes verlassen. Der Zögling des dritten Jahrgangs Meimun schied vor der Zeit aus unserer Anstalt, um in der Gegend von Porta Farina die von seinem verstorbenen Vater hinterlassenen Grundstücke zu übernehmen. Von den 10 Zöglingen des vierten und fünften Jahrgangs sind 9 dem Beruf treu geblieben. 3 von ihnen arbeiten in Egypten — alle 3 sind aus der Türkei — ein vierter, gleichfalls Türke, baut in Adrianopel die Gärten seines Vaters, ein fünfter aus Demotica ist Werkmeister in Setif (Algier), 2 Tunesen arbeiten im Dienst und auf Rechnung ihrer Eltern, ein dritter Tunese ist noch ohne Anstellung und 2 Tunesen sind provisorisch in unserem Betrieb tätig. Statistik : Nach Abschluß jedes Schuljahres erneuern wir das Tableau der Zöglinge, die Djedeida seit Gründung dieser Schule verlassen haben.^Wir vervollständigen und berichtigen die Meldungen, die uns über die Lage jedes Einzelnen zugegangen sind gemäß den Berichten, die wir aus allen Teilen der Erde erhalten. Wir bekommen Briefe von unseren ehemaligen Zöglingen aus Amerika, Chikago, Montreal, aus dem Innern von Brasilien, aus Argentinien, der asiatischen Türkei, Egypten, der' Balkanhalbinsel, aus Algier und Tunis. Die meisten, wenn nicht alle, selbst die mit ihrem Geschick am wenigsten zufrieden sind, bewahren eine Erinnerung an die Jahre, die sie in der Anstalt zugebracht haben. Sie empfinden das Bedürfnis, uns ihre Freuden und ihre Hoffnungen anzuvertrauen; sie vergessen nicht, was sie unserer Anstalt danken, der Alliance, die fortfährt, ihnen verschwenderisch ihre Unter- Stützung zu gewähren. Hat ihre Lage sich gebessert, so beeilen sie sich, uns zu schreiben und das Verdienst der Musterwirtschaft beizumessen und in irgend einer rührenden Form uns wieder ihre Dankbarkeit auszudrücken. Sie nehmen Zuflucht zu unserer Erfahrung, erbitten unseren Rat und bei Streitigkeiten mit ihren Patronen unsere Intervention. Ohne jede Frage ist dies der angenehmste Teil unserer Arbeit, die Beziehungen mit unseren ehemaligen Zöglingen zu pflegen; sie ist aber auch der schwerste Teil. Haben wir unsere Lehrlinge einmal in die Landwirtschaft eingeführt, so müssen wir uns auch bemühen, sie darin zu erhalten gegenüber den Verlockungen der Umgebung, die sie ihrem Be/uf entfremden wollen. Angesichts der Schwierigkeiten jeden Anfangs, der Schwierigkeiten schon der Stellenbesorgung, ist es gar zu leicht, einem jungen Mann die unmittelbaren Vorteile einer Anstellung im Handel eingängig zu machen, selbst wenn die Entlohnung noch so gering ist. Im Verlauf von!2 Jahren sind wir oft genug die ohnmächtigen Zuschauer ,zahlreicher Desertionen gewesen. Hat der junge Mann der Versuchung nachgegeben und ist er in den Handel eingetreten, so sehnt er sich bald, ihn wieder zu verlassen, so empfindet er Heimweh nach der freien Luft; er magert ab in der verdorbenen Atmosphäre der Warenhäuser und der Bureaus. Er sammelt seinenMut, um an uns zu schreiben; er wagt noch nicht zu uns zu kommen, sondern bittet nur inständig, dasswir ihn dem Landleben wiedergeben. Eine Rückkehr solcher Art haben wir häufig gesehen. Das sind sehr heilsame Beispiele für die Zöglinge, die noch auf den Bänken unserer Anstalt sitzen. Viele unserer vormaligen Lehrlinge, die eine Anstellung suchten, wollen lieber als einfache Arbeiter angestellt sein, als in die Städte gehen, obwohl sie schon Werkführer und Inspektoren gewesen sind. Sie können sich nicht mehr an die Stadtluft gewöhnen. Wir kennen andere, die gegen ihren Willen im Handel beschäftigt, mit Ungeduld den Zeitpunkt und die Gelegenheit erwarten, zur Landarbeit zurückzukehren. Dank der Korrespondenz, die wir mit unseren früheren Zöglingen unterhalten, können wir jedes Jahr die Liste aller derer feststellen, die in der Landwirtschaft leben. Ihre Zahl ist gegenwärtig 80. Häufige mündliche und schriftliche Unterhaltungen mit unseren früheren Zöglingen geben uns zu denken, lassen uns den Geist ihrer Grundherren, deren größeres oder geringeres Wohlwollen erkennen, geben uns eine ziemlich genaue Vorstellung von den Auswegen, die wir dem Tätigkeitsdrang unserer jungen Ackerbauer zeigen können.