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Ost und West · 1907-05-01 · Heft 5 (Mai 1907) · p. Seite 345 - 346

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 5 (Mai 1907)
Article
Mein Aufenthalt in Palästina
Date
1907-05-01
Page
Seite 345 - 346 (sequence 5)
Language
German
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345 Theodor Oschinsky: Mein Aufenthalt in Palästina. 346 Um 8 Uhr abends machten wir bei ■einer Steinmühle Rast. Nur 1V2 Stunden sollten uns nunmehr von dem heiß- ■ersehnten Ziele, von Jaffa, trennen. Um 9 Uhr brachen wir in pechschwarzer Nacht auf, von heulendem Sturm begleitet. Bald stockte die Fahrt, da auf den schlechten Wegen die Wagen nur ruckweise vorwärts kommen konnten; bald waren wir in eine Grube hineingefahren, bald war das Pferd eines anderen' Wagens gestürzt. — Sobald der Mond verschwand, waren wir ganz trostlos, da an ein Weiterfahren nicht zu denken war. — Regenschauer, Schlössen fielen auf uns hernieder, der schreckliche Sturm peitschte den Regen in die Wagen hinein, deren Insassen ängstlich wurden. Plötzlich legt sich ein Wagen ganz bedächtig auf die Seite. Mit Mühe springen die Insassen hinaus. Auch aus den anderen Wagen steigen fast alle heraus, einige Herren übernehmen die Führung und suchen, langsam vorausgehend, den besten Weg. Einige Zeit geht es so. Von der Spitze aus ertönen die Kommandoworte und werden von einem Wagen zum anderen weiter gegeben, bis wir uns wieder an einem Abhänge befinden. Hagel und Regen sausen auf uns hernieder, der Sturm heult, die Damen der Gesellschaft bekommen mit wenigen Ausnahmen infolge der seelischen Aufregung Weinkrämpfe, einige ältere Herren flehen mich an, nicht weiter fahren zu lassen, sondern hier den Morgen zu erwarten. Wir fahren trotzdem weiter; viele wollten nicht mehr in die Wagen hinein und gingen hinter dem letzten Wagen im größten Schmutze bei Sturm und Regen ca. anderthalb Stunden, bis sie nicht mehr weiter konnten. Wir sehen in der Nähe Lichter, fahren noch eine Viertelstunde weiter, dann aber wollen wir nicht ins Ungewisse; wir machen Halt. —- Unser Führer ist bereit, nach der Kolonie zu gehen und um Hilfe zu bitten. Es vergeht eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, es dünkt uns eine Ewigkeit. — Zwölf dumpfe Schläge durchhallen die Nacht, wir mußten uns in der Nähe von Jaffa befinden. Endlich kommt unser Führer in Regleitung eines Kolonisten und eines Dieners, der eine Laterne mitbringt. Wir erfahren, daß wir uns auf dem rechten Wege befinden und erhalten die Laterne geliehen, für die ein Pfand von 20 Franks hinterlegt werden mußte. Unser Führer erzählte uns, wie er zu den Kolonisten, einer Württembergischen Niederlassung, gekommen sei. Mehrere Minuten mußte er trotz Rufens und Pochens am Tore warten, die Hunde schlugen an, und endlich auf den Ruf Hilfe! deutsche Leute in Gefahr! erbarmte sich seiner ein Kolonist, zog sich an und kam mit einem starken Stock bewaffnet und mit einem Knecht, der die Laterne trug, bis zu unseren Wagen. Nun wurden wir wieder guten Mutes. Reim Scheine der Laterne rückten wir langsam vorwärts und kamen morgens nach Jaffa in unser Hotel. Mittwoch, den 28. Februar besuchte ich bald nach Rothschildschule in Jerusalem. dem Frühstück die Alliance-Knabenschule. Die Kinder sind weit vorgeschritten, und was namentlich in Erstaunen setzt, ist, daß kleine Kinder schon drei Sprachen lernen bezw. sprechen. Die Stadt selbst unterscheidet sich kaum von anderen orientalischen Städten. — Nach Tisch fuhren wir durch die Stadt zum Bahnhof. Es fallen mir hier besonders die vielen hebräischen Schilder auf, wie z. B. Raufe Schinajim (Zahnarzt), Wir erhalten einen Salonwagen und fahren nach Jerusalem. Wir kommen an Orangengärten vorbei, die voller Früchte sind. Man muß staunen, wenn man sieht, daß ein solches Bäumchen hunderte von selten großen Orangen trägt. So weit das Auge reicht, sieht es nur diese Räume, später wechseln sie mit Olivenwäldern ab. — Wir fahren bei Jaron vorbei, Stadt Jasur, durch Simson bekannt, dann bei Bethdagan, bei Ramleh, Ekron vorbei, endlich bei Zoreah, dem Geburtsort Simsons. Nach kurzer Fahrt kommen wir ins Gebirge Juda. Die Eisenbahn geht fortwährend durch dieses Gebirge in den verschiedensten Windungen, ein Anblick, der wahrhaft überwältigend ist. Wir kommen auch bei der Höhle vorbei, in der sich Simson verborgen hat, dann bei Bethar, wo Bar Kochba nach 21/2 jähriger Regierung von den Römern unter Severus besiegt wurde und wo so viel Rlut geflossen sein soll, daß es bis ins Mittelmeer sich ergoß. Dann kommen wir bei Emek-Refaim vorbei, wo David seine Schlacht mit den Philistern geschlagen hat, und bei Gichon, wo Salomon zum König gekrönt worden ist. Endlich kommen wir in Jerusalem an und werden feierlich durch den Sohn des Chacham Baschi empfangen, der uns den Willkommgruß seines greisen Vaters überbringt. Wir besteigen die bereitstehenden Wagen und fahren durch das Jaffa-Tor bei Migdol-David in unser Hotel. — Von unserer Terrasse aus bietet sich ein herrliches Panorama unseren

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