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Ost und West · 1907-04-01 · Heft 4 (April 1907) · p. Seite 279 - 280

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 4 (April 1907)
Article
Die Israeliten Rumäniens
Date
1907-04-01
Page
Seite 279 - 280 (sequence 4)
Language
German
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279 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten Rumäniens. 280 sind. Wie aber sogar solche Geister, die sich aufgeklärt nennen, den Anteil der Juden an dem Erfolg der Ausstellung beurteilen, mögen nachstehende Zeilen zeigen, die dem amtlichen Ausstellungskatalog, veröffentlicht unter dem Patronat des Generalkommissars Dr. Istrati, entnommen sind: „ ... In der demografischen Lage des Landes bestellt die beunruhigendste Erscheinung in der Invasion des jüdischen Elementes aus Polen, Galizien und Russland. Mit einer fast beispiellosen Duldsamkeit haben die Rumänen seit den ältesten Zeiten alle Konfessionen unter sich zugelassen. Wenn sie in verschiedenen Verträgen sich gegen die Niederlassung der Mohamedaner gewendet haben, so gehört das der Vergangenheit an und beruht auf politischen Erwägungen. Abgesehen hiervon, hat jedes andere Bekenntnis, selbst das der Schismatiker, die aus Russland vertrieben waren, in Rumänien volle Freiheit genossen. Die Rumänen haben sich nie wegen des Seelenheiles anderer beunruhigt. Doch jetzt ersteht eine grosse Gefahr: Die Juden, anderwärts verfolgt oder übel angesehen, haben begonnen, das rumänische Land zu überschwemmen. Sie zuerst haben den Rumänen eine deutliche Vorstellung von dem gegeben, was man konfessionelle Missachtung nennen könnte. Denn mit Ausnahme derer, die aus dem Abendland kamen, haben die aus dem Orient und dem Norden eingewanderten Juden eine Atmosphäre des religiösen Fanatismus mitgebracht, würdig der Ghettos, eines Fanatismus, den wir niemals gekannt hatten. Während Protestanten, Katholiken und russische Sektierer unbemerkt bleiben, während der muselmanische Muezzin friedlich seine Melodien über die Kirchen weg ertönen lässt, haben die Juden allein das Gefühl einer unsinnigen konfessionellen Feindseligkeit mitgebracht. Ihr bizarres Kostüm, ihre Schläfenlocken, ihre Feiertage mit den strengen Ruhegeboten, ihre Schächtriten (das von Christen verkaufte Fleisch wird als unrein betrachtet), alle ihre Besonderheiten im täglichen Leben haben die Rumänen dahin gebracht, nicht eine Religions-, sondern eine Rassenfrasre vor sich zu sehen. Den bündigsten Beweis hierfür findet man in dem Mangel jeder Familienbeziehnng zu den Rumänen. Eheschliessungen zwischen diesen beiden Volkselementen bilden eine seltene Ausnahme; der Jude und die Jüdin, die der Synagoge untreu werden, setzen sich ernsten Unannehmlichkeiten aus. Dieses fremde, nicht assimilierbare, auch intellektuell uns nicht verwandte Element bildet für die organische EntWickelung des rumänischen Staates ein um so schwierigeres Problem, als der konfessionelle Partikularismus sieh auch auf den wirtschaftlichen Kampf überträgt in einem Wettbewerb, der sich nicht wie im übrigen Europa von Individuum zu Individuum, sondern von Rasse zu Rasse abspielt. Ehe man noch in der ökonomischen Welt etwas wie einen Trust gesehen hatte, haben wir den kleinen, aber undurchbrechlichen Trust der Juden in den einzelnen Städten gegenüber dem Handel und dem Gewerbe der Rumänen gesehen. Jetzt stehen wir grossen landwirtschaftlichen Trusts gegenüber; und obwohl die Flut der Einwanderung unaufhörlich steigt, giebt es bei uns keine antisemitische Partei." Auswanderung. — Die Nationalisten des Landes berufen sich bekanntlich, um ihre Lieblingstheorien zu unterstützen, auf die unaufhörliche Vermehrung der jüdischen Bevölkerung', die sie auf 700 000 Seelen schätzen. Die offizielle Statistik beweist jedoch, dass kaum eine Viertelmillion Israeliten in Rumänien verblieben ist. Zndem nimmt die Auswanderungsbewegung ihren Fortgang. Der „Moniteur OfficieP' vom 13. August 1906 stellt fest, dass laut den Eintragungen beim Sicherheitsdienst des Ministeriums des Innern von 1899 bis 1904 nach Amerika 42 968 Juden abgereist sind. Im Jahr 1905 belief sich die Zahl der Auswanderer auf 3406. Eechnet man hinzu die Zahl der Personen, die ohne Pass oder nur mit dem sogenannten gewöhnlichen Reisepass das Land verlassen haben, so stellt sich nach dem Moniteur die Gesamtzahl der in 6 Jahren Abgewanderten auf 55000. Hierzu vergleiche man nun — immer nach den Angaben desselben Organs — die Abnahme der Geburten: 8994 in 1901 8696 „ 1902 8221 „ 1903 8137 „ 1904 7710 „ 1905 Infolge der russischen Pogrome flüchteten einige jüdische Familien nach Rumänien,. Zur Stunde haben diese Familien das Land wieder verlassen; was die antisemitische Presse nicht hindert, der Verwaltung vorzuwerfen, sie hätte eine wahrhafte Invasion geschehen lassen Aber aus einer besonderen Statistik des Ministeriums des Innern erhellt, dass von 3222 russischen Israeliten, die seit Januar 1905 nach Rumänien gekommen sind, 2196 das Land bereits verlassen haben. Es verblieben 1026. Und auch diese Zuzügler haben sich im Lauf des Jahres 1906 nach Argentinien eingeschifft. Sonach beschränkt sich die behauptete Invasion auf einige Dutzend Individuen. Handel. Laut einer für 1905 — 1906 aufgestellten amtlichen Statistik gibt es in Rumänien 136 674 Handeltreibende aller Gattungen und Kategorien, nämlich 101 779 Rumänen, 22 667 Juden und 12 226 verschiedener Nationalität. Nur in einigen Bezirken überschreitet die Zahl der jüdischen Handeltreibenden die der rumänischen, nämlich in den folgenden: Israelitische Christliche Handeltreibende : Bacau zählt . . 1582 und 1465 Botosami 7? . . 2359 905 Covorului . . 1377 1226 Doroho'i . . 2227 783 Folticeni 55 . . 878 587 Jassy 5? . . 3404 836 Neamtz J* . . 1572 836 Roman 5« . . 934 566 Suceava J? . . 1269 539 Vaslui » . . 859 541 Die grösste Zahl von Handeltreibenden weist der Bezirk Ilfov (Bukarest) auf, nämlich 43 510, davon 1534 Juden. Im Verlauf der letzten 10 Jahre stieg die Zahl der rumänischen Handeltreibenden von 68 785 auf 101779; die Zahl der jüdischen Handeltreibenden verminderte sich demgegenüber merklich (ungefähr 24 000 in 1896 und 22 667 in 1905).

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