Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1907-02-01 · Heft 2 (Februar 1907) · p. Seite 91 - 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 2 (Februar 1907)
Article
Jüdische Künstler in Paris
Date
1907-02-01
Page
Seite 91 - 92 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2583875-2583954-2583957-2588186--06833-2588276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

91 G. Kutna: Jüdische Künstler in Paris. 92 R. CM PEYRE. ZAERTLICHKEIT. Auf dem Geriet der sittenbildliclien Schilderunghat Jules Worms eine reiche Lebenstätigkeit hinter sich. Seine Domäne ist Spanien, das Land der malerischen Trachten, des romantischen Volkslebens und strahlenden Sonnenlichts. Seine Werke muten wie Romanzen an, dem Leben der Strasse, den stillen, träumerischen Ecken abgelauscht. Im Jahr 1862 machte er seine erste Reise dahin, dann zog es ihn immer wieder in diese alten Städte, die wie im Halbschlaf daliegen, von ritterlicher Vergangenheit träumend. Und immer brachte er eine reiche Ernte nach Haus, gewann mit seinen Malwerken die Medaillen in Salon und wurde nach der Ausstellung 1876 Ehrenlegionär. Die französische Kritik rühmte die Reinheit seiner Zeichnung, den einfachen, ungezwungenen Effekt, die Harmonie der Bildeinheit und die tiefe „Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit." Wie er die anekdotischen Einzelheiten zur Einheit verknüpft, wie er das Zufällige der Gesamtwirkung einordnet, zeigt innerhalb der erzählerischen Malkunst eine gesunde sinnlich bildnerische Kraft und frischen Humor. So ist etwa in der „Sensationellen Bekanntmachung66 allerlei anekdotische Kleinmalerei eingestreut, und man hat doch ein ungestörtes bildhaftes Zentrum. Da steht der Barbier mit seinem eingeseiften Kunden vor dem Laden, die schöne Wirtin blickt aus dem Fenster der Boteria, ein Pfaffe spricht auf eine Dame ein, ein Schwarzer sinnt vor sicli hin, ein Hündchen bellt und anderes mehr, und doch eint sich alles im Gesichtsfeld zu dem Ausrufer und der lauschenden Hörerschaft: man vernimmt die langgezogene Neuigkeit, sieht die neugierig angelockte Zuhörerschaft und ihre bewegten Silhouetten, vom Sonnenlicht umspielt. Dieselben Qualitäten zeigen die humoristischen Szenen: „Vor dem Richter", „Ballkönigin6' und andere seiner Arbeiten. Jules Worms hat neben seinen Darstellungen aus Spanien aucli mit seinen Illustrationen zu den „Contes de Voltaire" (Edition Lechevalier 1869) und mit seinen Zeichnungen für die Bibelansgabe Lahure's viel Beifall gefunden. Ein verwandtes Gebiet kultiviert Constant Mayer. Seine Mal werke sind von weicher lyrischer Sentimentalität, durch dichterische Stimmung und menschenfreundlichen Humor ansprechend. Diese Bilder in der Art der Düsseldorfer kamen dem Zeitgeschmack entgegen und brachten ihrem Schöpfer vollenErfolg. Mayer ging im Jahr 1865 nach Amerika, wurde dort eine Berühmheit und ein wohlhabender Mann. Dies dankte er seinem Bilde: der Trost. Als er es malte — es war 12 : 10 Fuss gross — musste er es in seinem kleinen Zimmer einrollen, weil er über keinen entsprechenden Raum verfügte. Als es ihn zum Tagesgespräch gemacht hatte und die Leute sich in den Städten dazu drängten, wurde er der bevorzugte Maler der amerikanischen Elite.. Das Bild stellt einen Kranken dar, der den Trostworten der Krankenschwester lauscht; den .verbundenen Kopf ans Kissen gelehnt, hört er, wie sie mit leiser Eindringlichkeit, die Hand bekräftigend erhoben, die Worte der Bibel liest, während der Raum in einsamer Stille cialiegt und draussen die Höhen den Himmel umsäumen. Bald nach seinem ersten Erfolg fand er auch in der Heimat Anerkennung: er wurde im Jahr 1869 für sein „Rencontre" Ritter der Ehrenlegion. Es stellte ein Zusammentreffen zweier Brüder dar, die einander im amerikanischen Krieg im Jahrel863 als Gegner entgegentraten. Heute lebt Constant Mayer in seinem schönen Atelier in Paris, arbeitet und ist wohlgemut, übt mit jugendlicher Elastizität und weltmännischer Eleganz Gastfreundschaft und bekennt sich zur Lebensfreude mit dein Ausspruch: „Die Ein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.