Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Jüdische Künstler in Paris
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 89 - 90 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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89 G. Kutna: Jüdische Künstler in Paris. 90 iwit ihrer noblen Nonchalance ui.d feinen Abtönungviel Beifall. Das Portrait C. M. GarieL's von der Academie de Medecine (Salon d'automne 1905) ist treffend, eindringlich und trotz des Momentanen der Charakteristik durchaus wesenhaft; das Damen- $>ortrait geigt sehr fein die Mischung von freimütiger 'Gefallsucht, aparter Sinnlichkeit und leiser Sentimentalität, die dem französischen Weibe den rätselhaften Frwenreiz verleiht. Französische Grazie mit zarter sinniger Seelenstimmung ist auch den plastischen Werken des jungen Parisers Raphael Charles Peyre eigen. Leise Düfte liegen auf diesen zarten, träumerisch seligen Gestalten, lieblich entfalten sieh die knospenden Körper, von edlen Linien und schmiegsamen Flächen umrahmt. Ein feiner Schleier ist über ihres Lebens Freudigkeit gebreitet, und süss verhalten blüht ihr Dasein im Räume, wie Wiesenblumen, die das Morgenlicht erwarten. Seine Gruppen „Zärtlichkeit" (Salon 1906) und „Opfer an Venus" (Salon 1906) — von der Stadt Paris für einen öffentlichen Platz angekauft—sind von edler Poesie und eminent dekorativ. Bei der weiblichen Künstlerschaft findet sich dieser graziöse Stil recht häufig vertreten. Die aus Odessa gebürtige Pastellmalerin Emilie Landau, die auch einer Damenschule für Pastellmalerei vorsteht, sucht in weiblichen Portraits und in Dar- JACQUES WEISSMANN PARIS. Portrait der Madame X. JACQUES WEISMANN PARIS. Portrait des Herrn C. M. Gariel. Stellung des Nacken die Wirkung des Charme zu erreichen. Mit liebenswürdiger Einfachheit verbunden, erscheint dies in den Portraits von Helena Darmesteter, der Witwe des Romanisten Arsene Darmesteter von der Sorbonne. Das Portrait der Frau des japanischen Botschafters in Petersburg (Salon 1904), das ihrer Schwester, Miss Hartog, haben solche Qualitäten. Von den jüdischen Künstlern, die innerhalb der modernen französischen Kunst eine hervorragende Bedeutung haben, war bereits in besonderen Artikeln in dieser Zeitschrift die Rede, und wird im weiteren noch die Rede sein; in dem Zusammenhang einer allgemeinen Würdigung gebührt das Interesse neben den jungen Strebenden den Veteranen der Kunst, deren Erfolge in der Vergangenheit liegen, ohne dass sie in der Gegenwart untätig gewordeil, wären. Sie begannen in einer Zeit zu schaffen, in der das Publikum sich an das Gegenständliche im Kunstwerk hielt und Anekdotisches, Sittenbildliches, Genreszenen in anziehender Ausführlichkeit sehen mochte. Solchem Geiste des Zeitalters liehen diese Künstler ihre Schaffenskraft.