Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Jüdische Künstler in Paris
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 87 - 88 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2583875-2583954-2583957-2588186--06831-2588274- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 2× ep/1000834
OCR text
87 G. Kutna: Jüdische Künstler in Paris. E. MOYSE. DAS AUSHEBEN DER THORA. erzählt, wie er die Juden malen wollte in seiner Heimat in Odessa, die Juden in ihrer besten und wahrsten Charakteristik, in der Andacht des Gebets. Doch da stürzen sich Eiferer auf ihn, er wolle den Glauben verraten und die Synagoge beflecken, und beschädigen ihm sein Bild. So lebten sie in der kunstfremden Welt und harrten in Sehnsucht nach Kunst. In Paris gibt es dann Kunst und Lehre in Fülle, doch keinen Bissen Brot. So versuchen sies mit allerlei, malen Bildchen für Kinematographen, 15 Sous die Meterlänge, machen Retouchen von Photographien für 3 Fr. den Tag, malen billige Theaterdekorationen und derlei mehr. Während der Anfänger bange die ersten Sehritte tut, muss er fabrikmässige Schnellarbeit liefern, um nur das Notwendigste zu verdienen, „Und trotz alledem, Juden bleiben nicht akademisch; ich arbeite nicht nach den Lehrern, sondern wie ich fühle." So endet die Erzählung von Not und Sorge mit dem Ausdruck selbstgewissen Vertrauens. Langsam ringen sie sich durch, suchen eigene Wege zu gehen und mögen lieber stillos sein als schulmässig; bis sie eines Tages in der Oeffientlichkeit stehen und sich einen Kreis gewinnen. So gewann sich Aronson einen Namen, auf den in dieser Zeitschrift mehrfach hingewiesen wurde. Eine eigene Note unter den Malern beginnt der aus Odessa stammende EliePavill zu bekunden, der trotz seiner Lehrer in der Academie Julian eine ausgesprochene Begabung für impressionistische Malweise an den Tag legte. Er hat lebendig accentuierte Farbe ohne Buntheit, glückliche Baumwirkung, und gibt innerhalb der Impression die Gesamtwirkung, das „enveloppement" des Naturbildes. Seine kecke Art, Lichter aufzusetzen, ist manchmal unvermittelt, aber von lebendiger Naturwirkung; in wechselnder Bewegung der Flächen ist der Raum im Kreise festgehalten und do-ch ins Weite strebend. Das Bild aus dem Park Monceau hat spielerische Reize in einen anziehenden Mittelpunkt zentralisiert, gute Lichtwirkungen inmitten einer heiter grünenden Natur; „Grossvater und Enkelin4' sprechende Bildhaftigkeit und natürliches Leben; beim „Bastillenplatz" gewinnt alles — ähnlich wie bei Jules Adler — einen umfassenden Einheitszug, in dem Strasse, Menschen und Atmosphäre sich zu dem einen düsteren Phänomen verdichten. Elie Pavill hat die Förderung von Männern wie Wereschtschagin, Graf Tolstoi in Petersburg, Bernstamm in Paris gefunden, seine Bilder sind in die Galerien des Grafen Stemboek- Fermor in Petersburg, des Baron Günzburg in Kiew, Charles Ephrussis in Paris u. a. gelangt. Wenn seine Begabung weitere Förderung findet, kann sich dieser jüdische Künstler auf dem Gebiete der Lichtmalerei zu hervorragender Bedeutung entwickeln. Den jüdischen Künstlern französischer Herkunft sind diese doppelten Nöte derer aus dem Osten erspart. Sie leben ungeschieden in der französischen Kultur, betätigen sich frei und werden sogar bei kirchlichen Aufträgen herangezogen, wie seinerzeit H. Levy bei den Fresken des Pantheon und E. Levy bei denen derTrinite. Sie fühlen sieh meist als Söhne ihres Geburtslandes, wollen nichts von einem „esprit juif" wissen, wie dies der sonst geschmackvolle H. Caro-Delvaille tut, oder mögen gar nicht an irgend eine Art Judentum erinnert werden. Doch auch die andern sind von französischem Geiste genährt und entwickeln die Vorzüge der französischen Kunst: liebenswürdige Auffassung, leichtflüssigen Vortrag, gefällige Charakteristik, vibrierenden Reiz, bestrickende Natürlichkeit. Nach dieser Richtung hin ist Jacques Weismann eine gut veranlagte junge Kraft. Seine Pastelle finden