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Ost und West · 1907-02-01 · Heft 2 (Februar 1907) · p. Seite 85 - 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 2 (Februar 1907)
Article
Jüdische Künstler in Paris
Date
1907-02-01
Page
Seite 85 - 86 (sequence 1)
Language
German
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JUEDISCHE KUENSTLER IN PARIS. Von G. Klltna. Nachdruckverboten. Ueberall in Paris stösst man auf Pracht und Not, auf Glanz des Reichtums und Bitternis der Armut. Ungeschieden ist beides neben einander, durchzieht in Wechsel und Wandel das schäumende, brandende Pariser Leben. So ist es auch in der Künstlerschaft, und so ists unter den jüdischen Künstlern. In feingestimmte Atelierräume tritt man, in denen künstlerischer Sinn und persönlicher Geschmack erlesen anmuten; und in Bodenlöcher kommt man, wo nichts da ist von Schmuck und Wohnlichkeit, nur harrende Hoffnung. Viele solche gibt es. Man steigt hohe Treppen hinauf, windet sich durch enge, dumpfe Korridore, tappt sich an den Türen vorbei und gelangt in einen verlorenen, trüben Raum. Dort sitzt ein junger Mensch in der dürftigen Helle, schickt seine Träume hinaus in die Ferne und blickt durch enge Raumspalten über die Dächer der Weltstadt. Und er malt oder meisselt. Wie ist es schön in diesen Dachstuben, wie ist es traurig dort. An den Wänden hängen Aktzeichnungen, ein niedriges Bett steht in der Ecke, am Fenster steht das Gestell, kahle Winkel irren in dem Raum, ein bleiches Menschengesicht wandelt darin. Das ist des Kunstschülers unwirtliches Obdach. Tritt er hinaus und schaut den Glanz, die reiche Kultur, den bestrickenden Geschmack, Kunst und Geist, GLück und Wirrnis, schaut die grosse Welt Paris; dann weiten sich die Augen, es weitet sich die Seele und all ihre Sehnsucht, all ihre Schwingen. Vollgetränkt davon geht er in seine Dachstube hinauf, fiebert nach Schaffen und vergisst die Enge. Fragend, wartend, ausschauend ist sein Dasein. Der Ehrgeiz glüht, Bangigkeit und Zweifel umschauern die Stirn, und seines Lebens Schicksal spinnt. Unsagbar stille Stunden gibt es dort oben. Niemals in der Ferne vergisst man den Hauch, der dort geweht, da ein solch junger M3nsch von seiner Heimat und Not gesprochen, leis und dämmerstilh Aus einer Stadt im weiten Russland war er gekommen, dort gab es nichts von Kunst, nur ein Denkmal Katharinas II. Zu diesem zog es und lockte es ihn; er zeichnete danach, immer aufs neue, und befragte es, was Kunst sei. Ein Anderer

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