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Ost und West · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. Seite 61 - 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Die Knabenschule der Alliance in Bagdad
Date
1907-01-01
Page
Seite 61 - 62 (sequence 2)
Language
German
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61 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Knabenschule der Alliance in Bagdad 62 Das Hilfswerk ist gut organisiert und wird ordnungsgemäss überwacht. Gewerbliche Ausbildung. Die Fürsorge erstreckt sich auf 20 Lehrlinge, nämlich: 4 Setzer, 8 Tischler, 3 Kupferschmiede, 1 Schneider, 4 Grobschmiede. Zu den Kosten steuert die Alliance 1400 fr., die Anglo-Jewish Association 400 fr. bei. Die gezahlten Löhne werden den Lehrlingen erst am Ende der Lehrzeit zur Beschaffung von Werkzeug ausgehändigt und sind verpflichtungsgemäss zurückzuzahlen, wenn von dem Geld kein guter Gebrauch gemacht wird. Ausser einer gestempelten Quittung, die diese Verpflichtung enthält, fordert Herr Albala noch, dass ein Bürge die Quittung gegenzeichnet. Ich habe die meisten dieser Lehrlinge besucht und festgestellt, dass sie mit Eifer arbeiten, und dass ihre Meister mit ihnen zufrieden sind. Nach Beendigung der Lehrzeit verdienen sie als Arbeiter 0,50 bis 1 fr. den Tag. Die Bezüge bleiben hier gering, solange einer nicht selbst Meister ist. Das Lehrlingswerk ist im allgemeinen nur schwach entwickelt, wird jedoch gut überwacht und hat jedenfalls bessere Ergebnisse aufzuweisen, als ich z. B. in Aleppo gesehen habe. Die Lehrlinge erhalten Kleidung auf Kosten des Hilfswerks und speisen täglich unentgeltlich in der Schule. Abendkurse gibt ihnen regelmässig der Lehrer, dem ihre Ueherwachung anvertraut ist. Bibliothek. Die Schulbibliothek ist wie auch das ganze Schulmaterial in sehr gutem Zustand. Die Schüler haben an der Lektüre Geschmack. Die Bibliothek enthält viele französische und englische Bücher. Die erstcreu sind von der Alliance gesandt, die letzteren von der Anglo Jewish Association, die hierfür die Zinsen eines von Silar Sassoon gestifteten Legats zur Verfügung hat. Die Schüler haben auch unter sich eine kleine „Brüderschaft" zum Ankauf von Büchern gebildet. Sie geben für die Lektüre jedes Buches 1 Sou. Von den so aufgesammelten Beträgen wurden im letzten Jahre 250Bände moderner Schriftsteller, z.B.Balzac und Alexandre Dumas, angeschafft. Alle Bücher der Bibliothek sind gebunden und gut gehalten. Schulgebäude. Die Bagdad er Schule macht der Alliance und den Israeliten Ehre. Nicht nur Unterricht und Disziplin, auch die Räumlichkeiten sind vortrefflich. Das Schulgebäude, von einem weiten Hof umgeben, besteht aus 4 Einzelhäusern. 1. Der Zentralbau inmitten des Hofes, von allen Seiten beleuchtet und durchlüftet, mit einer Galerie rings herum, die den Sonnenstrahlen den direkten Zutritt zu den Klassenzimmern verwehrt und den Schülern als Erholungsraum dient. Das Haus umfasst 6 geräumige Zimmer über einem Erdgeschoss, das man hierzulande Serdab nennt. Dies Erdgeschoss ist ein einheitlicher sehr schöner Eaum mit Säulen und Gewölben — letztere nach Landessitte mit Backsteinverzierungen verkleidet. Bis vor kurzem diente es als Speisesaal. Man ist seit einigen Monaten daran, es in eine Synagoge umzuwandeln, die die schönste in ganz Bagdad sein wird. Das Haus trägt den Namen David Sassoons, der 1869 das Kapital zum Bau gestiftet hat. An der Wand ist der Name des Wohltäters und das Dai^m der Erbauung eingraviert. 2. Der Anbau „Menachem Daniel", durch Herrn Zemach errichtet, nach Osten gelegen, mit 2 grossen Klassenzimmern im Erdgeschoss und einem Bureauraum im ersten Stockwerk. 3. Das Empfangsgebäude, — nahe der westlichen Pforte. Es enthält unter anderm die Bibliothek. 4. Der neue Anbau, der gegenwärtig errichtet wird, nach Norden gelegen, — dies ist für Bagdad die beste Lage. Er wird 6 Klassenzimmer aufweisen, je 3 im Erdgeschoss und im ersten Stockwerk. Die Baukosten werden sich auf 300 Pfund belaufen. An 180 türkische Pfund sind bereits am Platze und durch Herrn Albala gesammelt. Alle Gebäude sind in bestem Zustand. Die Wände erhalten alle 6 Monate Kalkanstrich. Der ganze weite Hof wird täglich gekehrt und reichlich besprengt. Klassenzimmer, Galerien und nicht zuletzt die Klosetanlage im Hofe blitzen von Sauberkeit. Grade in diesem heissen Lande ist es von Wichtigkeit, dass den Schülern täglich ein gutes Muster für Ordnung und Reinlichkeit gegeben wird. Die Schule enthielt im letzten Jahr 12 Klassenzimmer. Durch den Neubau wird die Zahl auf 18 erhöht. Herr Albala fand bei seinem Amtsantritt 405 Schüler vor. Jetzt sind es 529, und mit Hilfe der neuen Käume wird es die Schule auf 750 Schüler bringen können. Endergebnis. Die Schule in Bagdad, die erste, die die Alliance im Orient gegründet hat. ist ein gutes Institut. Es ist die schönste Schule im Irak. Die Muhammedaner und die Christen erkennen es gleicherweise an. Sie hat sich langsam aufsteigend entwickelt und hat noch eine grosse Zukunft vor sich, sie wird noch weit grössere Verhältnisse annehmen können. Sie hat zu einem sehr grossen Teil zu dem wirtschaftlichen Aufblühen der israelitischen Gemeinde in Bagdad beigetragen. Dank der allgemeinen, durch die Schule vermittelten Bildung, dem Unterricht im Französischen und vor allem im Englischen waren die ersten Schüler, die die Bänke der Schule verliessen, in der Lage, in die Fremde zu wandern, ihren Interessenkreis, ihren Handel auszudehnen, und gelangten dazu, solide Handelshäuser zu begründen und ihr G-lück zu machen. Die Eröffnung der Schule hat einige Jahre vor der Fertigstellung des Kanals von Suez stattgefunden, die ersten aus-

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