Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. Seite 39 - 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Die Sendung Muhammeds
Date
1907-01-01
Page
Seite 39 - 40 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2583875-2583954-2583956-2588086--06780-2588148
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

39 Dr. Julius Reiner: Die Sendung Muhammeds. 40 Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir beiden Elementen eine mehr oder weniger gleichmassige Rolle im Leben Muhammeds zuweisen. Die leichte Erregbarkeit seiner Phantasie, die durch hysterische Anfälle (hysteria muscularis) noch gesteigert wurde, hat ihn für Visionen gestimmt, die er in nüchternen Stunden nur als die Folgen seiner Krankheit angesehen haben mag. Andererseits aber mag er im gesunden Zustand diese Visionen als das wirksamste Moment bei der Geltendmachung seiner neuen Lehre betrachtet haben, umsomehr, als er von seinen nahen Verwandten dazu ermuntert wurde. Ursprünglich mag im Geiste Muhammeds selbst diese Scheidung stark und klar vorhanden gewesen sein, er mag sich seiner künstlichen Hilfsmittel, der Visionen und vermeintlichen Offenbarungen, bewusst gewesen sein; er berief sich auf sie, um seine eigene Person vor der göttlichen Allgewalt zurücktreten zu lassen und sich nur als ein willenloses Werkzeug in den Händen Allahs hinzustellen: aber im Lauf der Zeit wird er wohl selbst diese Scheidung aufgegeben haben — und eben davon hängt die Beurteilung Muhammeds wesentlich ab. Wieviel auf Klugheit und Berechnung und wieviel auf seine Krankheit zurückzuführen ist, was das Beim Stilisiren der Pflanzen. (Bezalel. Abbildung VI.) Werk der Vernunft oder was der menschlichen Schwäche zuzuschreiben ist, wird sich, so wesentlich auch dieser Punkt ist, nie genau feststellen lassen. Muhammed wusste, dass er als Mensch unter Menschen nie die Autorität erlangen könne, die dazu nötig ist, um einer Lehre, die von der bestehenden abweicht, allgemeine Geltung zu verschaffen. Er musste daher auf den Willen Gottes sich berufen, der ihn inspirierte. Mit neuen Lehren und Gesetzen konnte ja jeder auftreten. Aber die neuen Lehren waren der Annahme nicht sicher, auch wenn sie sich durch innere Vorzüge empfahlen. Dazu bedarf es einer Autorität, einer Gewalt. Da solche Autorität und Gewalt Mohammed bei seinem ersten Auftreten noch nicht zur Verfügung stand und nur unter Hinweis auf den göttlichen Willen zu gewinnen war, so blieb Mohammed nichts anderes übrig, als sich für den Gesandten Gottes auszugeben. Nur auf diese Weise konnte er sich Gehör verschaffen. Wie sehr Muhammed der Nachahmer derer war, denen er es nachtun wollte, seiner Vorgänger — denn er war kein selbstständiger Denker -- geht aus einem Vergleich des Korans mit der Bibel hervor. Ganze Kapitel sind aus der Bibel entlehnt. Die Art, wie sich Muhammed von Gott inspirieren lässt, ist der Bibel fast wörtlich entnommen. , Waren Begabung und Kenntnis bei ihm mangelhaft, so ist sein Wille, der mit geringen Mitteln Grosses zu erzielen verstand, desto höher anzuschlagen. Man darf aber nicht denken, dass die^ Araber, denen er seine Lehren vortrug, so ganz leichtgläubig waren. Sie überhäuften ihn mit Spott und machten oft recht gelungene Witze über den neuen Propheten, der genau so wie sie ass und trank und für schöne Weiber schwärmte. Muhammed war aber zu sehr von seiner eigenen Mission durchdrungen und von der Überlegenheit des Monotheismus über den Götzendienst seiner Mitbürger überzeugt. Er wusste, dass nur ein gemeinsames religiöses Band imstande

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.