Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. Seite 37 - 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Die Sendung Muhammeds
Date
1907-01-01
Page
Seite 37 - 38 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2583875-2583954-2583956-2588086--06779-2588147
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

37 Dr. Julius Reiner: Die Sendung Muhammeds. 38 Die nur sehr wenig bekannt, die vorhandenen Quellen reichen zu einem getreuen Lebensbild nicht aus. Bei dem Stifter der muhanimedanischen Religion liegen die Dinge anders. Wir treten mit ungetrübtem Blick an die reichlich vorhandenen und historisch beglaubigten Tatsachen seines Lebens heran, und da uns der Islam als Religion fernsteht, so können wir das Wesen seiner Offenbarung objektiv behandeln, ohne Gefahr zu laufen, das religiöse Empfinden der Leser zu verletzen. Muhammed ist der einzige Religionsstifter, dessen Entwickelungsgeschichte sich Schritt für Schritt an der Hand durchaus glaubwürdiger Dokumente verfolgen lässt Wo der heutige Muhammedaner im Leben seines Propheten das Werk Gottes bewundert, da sehen wir Menschenwerk; der Islam erscheint uns — im Lichte der historischen Tatsachen betrachtet — als das Produkt eines religiösen Schwärmers und zielbewussten Gesetzgebers und Politikers, der für die Bedürfnisse seines Volkes eine Religion zu bilden bestrebt war. Wir wissen, dass der Prophet Muhammed epileptische und hysterische Anfälle hatte, die durch seine asketische Lebensweise noch gesteigert wurden. Zeitgenossen beschreiben uns diese Anfälle mit übereinstimmender Genauigkeit. Seine Lippen und seine Zunge zitterten, die Augen verdrehten sich, der Kopf bewegte sich willenlos. Bei heftigerer Anwandlung fiel Muhammed wie trunken zu Boden, rot im Gesicht, mit Schweisstropfen auf der Stirn, unter starken Atmungsbeschwerden; „er schnaufte wie ein Kamel" heisst es bei einem Berichterstatter. Mit diesen Anfällen trafen seine Inspirationen zusammen. Er hat sie als Besuche eines Engels gedeutet und war, gleich nachdem er sich erholt hatte, darauf bedacht, den Inhalt seiner religiösen Träume als göttliche Offenbarungen zu verkünden. Die psychischen Symptome dieser Krankheit, die noch heute den dunkelsten Winkel der Medizin bildet, sind für die Entstehungsgeschichte Gipsgiesserei-Abteilung des Bezalel. (Abbildung X.) der religiösen Offenbarung bei Muhammed von äusserster Bedeutung. Diese Symptome sind je nach dem Bildungsgrad und der Individualität des Patienten und je nach dem Milieu, in dem er sich befindet, verschieden. Muhammed, der für religiöse Fragen sich frühzeitig interessierte, hat bei seinen Anfällen Bilder gesehen und Dinge gehört, die aus den Elementen des religiösen Lebens zusammengesetzt waren. Allerdings ist es jetzt sehr schwer festzustellen, inwiefern Muhammed bei der Verkündung seiner Lehre nur das schwache Werkzeug seiner überspannten Phantasie war, die ihm Offenbarungen vortäuschte, oder ob er aus schlauer Berechnung zu diesem Hilfsmittel seine Zuflucht nahm, um seine göttliche Sendung glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Mit anderen Worten: war Muhammed ein betrogener, leichtgläubiger, religiösen Wahnvorstellungen wirklich anheimgefallener kranker Mensch, oder war er ein kluger Diplomat, der zu - diesem heiligen Betrug seine Zuflucht nahm, um einer guten Sache, der Einführung eines gereinigten Gottesglaubens, zu dienen, und um aus den wilden arabischen Beduinenstämmen eine einheitliche politische Macht zu bilden?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.