Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Einige Worte über den "Bezalel"
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 23 - 24 (sequence 2)
- Language
- German
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23 Hermann Struck: Einige Worte über den „Bezalel". 24 sich abhalten zu lassen, geht dieser prachtvolle Idealist der Tat geradenwegs auf sein schönes Ziel zu, und — sein durch nichts zu erschütternder Optimismus, sein nie wankendes Vertrauen in die Berechtigung und den endlichen Erfolg seines Strebens haben Wunder gewirkt. Auf die s. Z. von dem Komitee veröffentlichten Aufrufe hin liefen namhafte Summen ein, die Schule konnte im Frühjahr 1906 durch den Beginn des Unterrichts eröffnet werden. Prof. Schatz legt vor allem Wert darauf, dass 1) der Unterricht auf modernen, erprobten Methoden basiert, 2) die neuesten Herstellungsarten Anwendung finden, und 3) der Verkauf der Produkte auf einem für die Hersteller möglichst gewinnbringenden Wege vor sich geht. — An der Hand des Berichtes von Prof. Schatz und der hier beigefugten Abbildungen können wir uns nun ein anschauliches Bild von dem emsigen Betriebe in dieser ersten palästinensischen Kunstgewerbe - schule machen. Auf obenstehendem Bilde (Abbild.II) sehen wir Prof. Schatz im Kreise der Schüler der Naturklasse, wie sie in ungezwungensten Stellungen, die von ihrer fröhlichen Stimmung Zeugnis ablegen, sich um den verehrten Meister gruppieren; dieses Bild zeigt uns das innige Band gegenseitigen Verstehens, das schon nach so kurzer Zeit den Lehrer mit seinen aus den verschiedensten Weltgegenden in das Land der Väter verpflanzten Schülern verbindet. Es werden in dieser Natuiklasse etwa zehn junge Männer, die fast alle schon durch eine gewisse künstlerische Vorbildung ihre schöne Begabung entwickelt haben, zu zukünftigen Lehrern und Musterzeichnern ausgebildet. Auf Abb. III sehen wir sie mitten in der Arbeit; sie zeichnen und malen Köpfe und halbe Figuren nach dem lebenden Modell, einem farbig Muster für Teppiche im jüdischen Stil. Komponiert von Herrn Davidof, Teppichlehrer. (Bezalel. Abbildung vm.) kostümierten Jerusalemer Juden. Ein Teil dieser interessanten Studien, die freilich durch photographische Wiedergabe nur unvollkommen zu Gesicht gebracht werden können, ist auf Abbildung IV vereint, und man ist überrascht zu sehen, ein wie umfangreiches Material hier in der so kurzen Zeit bereits geschaffen wurde; jede einzelne Studie fast legt Zeugnis ab von starkem Talent und Können. In gleicher Weise modellieren die angehenden Bildhauer mit bestem Erfolg. Das durch unablässiges eindringliches Studium der Natur geschulte Können wendet sich in der Dekorativklasse dem Stilisieren der palästinensischen Fauna und Flora zu; eine reichhaltige Sammlung von Insekten, Vögeln und anderen Tieren, die verschiedenartigstenBlumen und Blätter und endlich die interessanten und zahlreichenAntiquitätenschätze des Bezalelmuseums geben immer wechselnde Anregung zu dekorativen Versuchen. Die Juden Palästinas bringen diesem Museum das lebhafteste Interesse entgegen und schenken ihm gern und freudig alles, was an wertvollen Altertümern sich Vorfindet. Ausser dem „Messias" von Glicenstein und einem Oelgemälde Max Liebermanns befinden sich jetzt bereits viele moderne Kunstwerke, Eeproduktionen und Bücher über künstlerische und kunstgewerbliche Themata, von Freunden des Museums geschenkt, in dessen Besitz; und in einiger Zeit wird durch einen allgemeinen an alle jüdischen Künstler gerichteten Aufruf eine umfassende Propaganda für diese einzig dastehende Kunstsammlung eingeleitet werden. Abbildungen V und VI zeigen uns die Schüler beim Zeichnen und Stilisieren von Pflanzen, während wir an den Wänden die eigenartigen Erfolge ihres eifrigen Strebens erblicken. Besonders