Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Einige Worte über den "Bezalel"
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 25 - 26 (sequence 3)
- Language
- German
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25 Hermann Struck: Einige Worte über den „Bezalel". 26 .!.-y.v^-j.L; '^:tm<rvis< "k^'V-. \\xs>\^ Vi^ t;luli tLHß merkwürdig sind als erster Anfang eines „neuen palästinensischen Stils" die reizvollen dekorativen Buehstabenverbindungen, die zum Teil schon vollendet schöne Ornamente darstellen (Abbildungen TOT, IX). Diese neu hergestellten Entwürfe werden stets sogleich der Teppichknüpfereiabteilung zur Ausführung übergeben. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die in so origineller Weise entstehenden Teppiche zur Ausschmückung von Synagogen oder Wohnräumen wohlhabender Juden ein vielbegehrter Handelsartikel sein werden. Bereits liegt das Ersuchen eines bedeutenden englischen Handelshauses vor, ihm den Alleinverkauf der Bezalel- Teppiche für England und Irland zu überlassen. — In der Präparandie erhalten acht Jerusalemer Schüler, deren schönes Talent nur durch den Bezalel angeregt ans Tageslicht kam, Unterricht im Zeichnen. Die Gipsgiess er ei-Abteilung bietet den angehenden Bildhauern Gelegenheit, ihre Tonmodelle in Gips umzuformen; ausserdem erlernen hier sechs Schüler die Gipsgiesserei als spezielles Handwerk, nicht ohne gleichzeitig Kenntnisse im Zeichnen zu erwerben. Einer dieser Schüler hat eine Giesserei in Jerusalem eröffnet, wo er Keliefansichten des heiligen Landes und typische Charakterköpfe nach den von den Schülern verfertigten Modellen in Gips herstellt. Auch diese Tatsache, dass nach wenigen Monaten bereits ein Schüler unserer Anstalt die Möglichkeit fand, sich in einem ganz neuen Fach von seiner Hände Arbeit zu ernähren, spricht für die segensreiche Wirksamkeit des Bezalel. Fünfundzwanzig Schüler — meistens Handwerker — erhalten in der Abendschule den unentbehrlichen Zeichen- >m Gipsmodelle im jüdischen Stil. (Bezalel. Abbildung VII.) Unterricht. Hier sehen wir auf derselben Bau denYater neben seinem jungen Sohne sitzen, beide in heissem Bemühen bestrebt, ihr Können zu bereichern und so ihr Handwerk auf eine höhere Stufe zu heben; hier ist auch so manches schöne Talent entdeckt worden, das sonst keinen Wep zum Licht gefunden hätte! — Am 14. Mai 1906 wurde die Teppich-Abteilung eröffnet, an die eine Färberei und Spinnerei angegliedert wurden. 400 Frauen, Witwen, Waisen und Kinder von armen Eltern meldeten sich aus freiem Antrieb für diese Arbeit; und schweren Herzens musste unser Boris Schatz 355 von ihnen wegen Mangel an Platz zurückweisen. 45 Schülerinnen arbeiten nun in dieser wichtigen Abteilung, kopieren die für ihre Arbeit nötigen Zeichnungen und helfen bei der Vorbereitung der gemalten Teppichmuster. Alle Schülerinnen arbeiten mit grösster Freude und hingebendem Fleiss, sodass fast eine jede von ihnen bereits imstande war, einen kleinen Teppich in persischer Technik anzufertigen. Sie erlernen gleichzeitig auch das Spinnen der für die Teppiche zu verwendenden Wolle, und es besteht die Absicht, späterhin die Frauen, welche die Teppichknüpferei nicht erlernen können, die Spinnerei zu iehren und ihnen Spinnräder auf Abzahlung in ihre Häuser zu liefern. Auf diese Weise können sich auch alte und schwache Frauen ihr Brot verdienen. Da das lernende Element dieser einzigartigen Schule aus den verschiedensten Gemeinden und Sprachgebieten stammt, so hat man den Versuch gemacht, das Hebräische als Einheitssprache einzuführen. Da der hebräische Sprachkurs zahlreich besucht ist, so werden wohl bald die meisten Schüler und Lehrer des Bezalel sich in der Sprache der Väter verständigen können. Muster für dekorative Buchstaben-Verbindungen aui Teppichen. Komponiert von Herrn Davidof. (Bezalel. Abbildung ix.)