Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Moses Ezekiel
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 809 - 810 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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809 Georg Hermann: Moses Ezekiel 810 MOSES EZEKIEL. ROM. ISRAEL, Gewand selbst ist für sie ungeeignet; die Reihe der Erfindungen ist keine allzu grosse; sie liegen auf Schritt und Tritt mit der Gegenwart in Streit. — Alles zugegeben, und doch wird das anders werden, wenn sie von der Natur zu ihrer Kunst, vom Material zu ihrer Technik und vorn Leben der Zeit zu ihrer Erfindung kommen. Die Grenzen der Plastik sind gezogen, doch noch nicht ausgefüllt, sie hat tausend neue Möglichkeiten; denken wir an die Wiedergabe weiblichen Fleisches bei Rodin, an eine Bewegung oder Beleuchtung — es giebt ein Relief, das im Schimmer des Grubenlichtes träumt — Meuniers oder an die feinen Reliefmöglichkeiten Charpentiers, und wir haben einige ihrer Entwicklungslinien. * * # Bei Moses Ezekiel finde ich von dem Neuen nichts; eine besondere Stellung in der heutigen Bildhauerkunst kann ich ihm nicht einräumen; seine Werke sind besser, wie die, weiche wir zu sehen gewohnt sind, und doch kann ich ihn von den erhobenen Vorwürfen nicht freisprechen- Em van Hause aus sicher ungewöhnlich starkes Talent, das in der Zeit unbehinderter Kunstentwicklung hätte bedeutsam werden können, liegt im Banne einer eklektischen Epoche und einer falschen Schulung. Dort, wo das schlichte Leben Ezekiel vor eine Aufgabe gestellt hat, in Bildnisbüsten von Männern ist er von erfreulicher kräftiger Frische und Einfachheit der Charakteristik, Findet man doch überhaupt, dass selbst in Zeiten eines Kunstniederganges das Bildnis in guter Form bleibt, und mancher Künstler, dessen freie Schöpfungen längst zum alten Eisen geworfen sind, beweist uns heute noch einzig im Bildnis,, was in ihm steckte. In seinen. kompositionellen Arbeiten, in seinen weiblichen Bildnissen, seinen Idealgestalten von Genien, Engeln und all den allegorischen Hilfsgeistern, ohne die nun einmal ein Bildhauer von heute nicht auskommen kann, behagt er mir wenig. Es ist viel Temperament, viel Können in diesen Arbeiten — aber eine falsche Empfindung macht sie mir ungeniessbar.; Mir sind diese wohlgeordneten Faltenwürfe, diese Gesichter, die einzig (anmutig sind, die Bewegungen in milden Tempis oder in Berserkerwut, diese kalten, unsinnlichen Frauenleiber und diese Konzerte rasend übertriebener Männermuskula-