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Ost und West · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. Seite 811 - 812

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Moses Ezekiel
Date
1903-12-01
Page
Seite 811 - 812 (sequence 4)
Language
German
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811 Georg Hermann: Moses Ezekiel. 812 MOSES EZEKIEL- ROM. CARDINAL HOHENLOHE. turen zuwider. Ich kann die Maskeraden künstlicher Torsi nicht mehr sehen, Ein Denkmal, das weiter nichts wie ein Repräsentationsstück sein will und nicht zuerst und zuletzt Plastik ist, bringt mich in Harnisch. Und derartige Dinge finde ich in der Kunst Ezekiels zur Genüge, und deshalb kann ich ihm nicht mit ungeteilterSympathie gegenüberstehen, so sympathisch mir auch vieles an ihm sein mag. Vor allem ist da ein Zug, der mich angenehm berührt. — Ich weiss nicht, ob ich mich darin leicht verständlich machen kann, es weht römische Luft in manchen seiner Werke, eine temperamentvolle, üppige Sinnlichkeit strahlt von ihnen aus, eine Reife, eine volle, satte Schönheit und Unbekümmertheit liegt über ihnen. Es ist eine ähnliche Stimmung, wie sie in der späten römischen Plastik des Kaiserreichs ruht und wie sie wieder in den Bemini's oder BoroninPs und all den ßarockmeistern erwachte. Etwas, Sattes, Ueppiges, Volles, angenehme Linien, angenehme Formen, liebenswürdige Erfindung, eine gewisse Glückswelt, deren Eindruck nicht sehr nachhaltig, aber erwärmend und erfreuend ist. Und dass sich ein jüdischer Künstler bis zu dieser römischglücklichen Unbekümmertheit aufgeschwungen hat, das schätze ich an Ezekiel. Es gibt einzelne Rundreliefs von ihm, in die menschliche Körper, männliche und weibliche, in hübschen, geschmackvollen Linien eingeschrieben sind, es gibt eine Judith und ein Christustorso von ihm, die in mir die Illusion „Rom" erweckten: er selbst, sein Atelier mit der malerischen Unordnung von vorgestern, den Renaissancemöbeln mit ihren üppig lastenden Formen, das ist ein Schimmer von Rom; es ist nicht kaltes Griechentum, wie es heute Hildebrandt hat, es ist Rom, die ewige Stadt, das Rom, von dem Hartleben meint, es wäre für den, der es einmal kennen gelernt hat, Zeit seines Lebens eine Gemütskrankheit. Aber weshalb hier an dieser Stelle über den Bildhauer Ezekiel gesprochen wird, hat doch einen anderen GAind, als den, dass in seine Kunst ein Glanz der ewigen Stadt gefallen ist. Als jüdischer Bildhauer ist er schon an sich in diesem Rahmen eine beachtenswerte Erscheinung, denn es gibt deren nicht viel. Zur concisen plastischen Umsetzung der Empfindung neigt die jüdische Rasse nicht. Und ein weiterer Grund ist der, dass in Ezekiels Kunst, in den Vorwürfen und im Wesen ein jüdisches Element zutage tritt. Ich glaube, dass manche Ausstellungen, die ich vorher machte, an der Vorliebe des jüdischen Künstlers für Posiertes und Sentimentalisches liegt. Interessant erscheint sein Christustyp, der ganz von dem landläufigen abweicht und einen, wenn auch stark idealisierten, jüdischen Kopf zeigt. In einer Judith, in der sich der jüdische Typ mit römischer Ueppigkeit vermengt, — sicherlich ein Werk des reifen Künstlers, zeigt sich Ezekiel's Können von der besten Seite. Vor allem ist ihm das Seelische hierbei, diese masslose, kalte Entschlossenheit des Mannweibes gelungen. Ueberhaüpt lässt sich bei all seinen Arbeiten, auch bei denen, die mir nichts geben, eine gewisse Frische und Freiheit, ein Elan in der Konzeption nicht leugnen. Die Dinge befriedigen und verblüffen, wenn man sie erblickt. Sie MOSES EZEKIEL. ROM. JEDOR ENCKE.

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