Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. Seite 801 - 802

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Das galizische Hilfswerk und die Mitwirkung der ausländischen Glaubensgenossen
Date
1903-12-01
Page
Seite 801 - 802 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2583904-2583917-2587932--03428-2588010
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Maximilian Paul-Schiff: Das galizische Hilfswerk etc. 802 richten, dass sich fast überall eine grosse Enttäuschung eingestellt hat. ..... Heute hat sich herausgestellt, dass die Arbeit eine mühsame ist und eine grosse Accuratesse und Geduld erfordert, während der Verdienst ein sehr geringer ist. Da von dem Galizischen Hilfsverein gar keine Vorkehrungen getroffen worden sind, Lohnkürzungen, willkürliche Lohnabzüge und Verzögerung der Lohnauszahlung hintanzuhalten, so ist die Haarnetzerei nach kurzem Aufschwünge wiederum stark im Rückgang begriffen". Wenn Fräulein Pappenheim auf anderen, mir fremden Gebieten, auch so genau informiert wurde und demgemäss ihre Eindrücke wiedergegeben hat, dann wäre es um ihre Reise besonders schlecht bestellt. Ihren obigen Ausführungen über die Tätigkeit des Galizischen Hilfs Vereins will ich nur kurz folgendeTatSachen- ■ gegenüberstellen, die für sich selbst sprechen. Der Galizische Hilfsverein hat mit einem Aufwände von circa K. 12000,— an Einführungsspesen innerhalb zweier Jahre durch Einführung der Haarnetz-Industrie in 93 Orten Galiziens schon — heute über K. 10000. Wochenlohn durch verschiedene Unternehmer (Fräulein Pappenheim nennt sie „Ausbeuter") Verdienst ermöglicht, und zwar an Personen, die keinerlei Arbeit aufgaben, als sie sich der Netzerei widmeten, und deren Anzahl nachweislich täglich im Wachsen ist. So sieht es mit der Haarnetzerei aus. die MOSES EZEKIEL. JUDITH. nach den von Fräulein Pappenheim willig geglaubten Informationen „nach kurzem Aufschwünge wieder stark in Rückgang begriffen ist", so sieht es mit den gleich wieder „abfallenden Marodeuren oder Deserteuren" aus, denen gegenüber eine immer grössere Anzahl bleibender neuer Rekruten sich einstellt. Gerade die von Fräulein Pappenheim gerügte Tatsache, dass der Hilfsverein sich nicht zwischen Unternehmer und Arbeiter stellt, ist das einzig Richtige, da nur dies einzig und allein erweisen kann, ob eine Arbeit sich dauernd erhalten kann oder nicht. Die Tätigkeit des Hilfsvereins kann und soll nur die Gehschule ersetzen. Die galizischen Juden sind die letzten, die bei der Arbeit bleiben würden, wenn „willkürliche Lohnabzüge und Verzögerungen in der Lohnauszahlung4' erfolgen würden, und ebenso wäre die Einführung jeder Industrie zwecklos, wenn der Unternehmer seinen Nutzen auf die Dauer nicht fände. Pour les beaux yeux des Hilfsvereins oder aus „Mizwe" findet man keinenUnternehmer, am alierwenigsten einen, der nach Galizien geht. Aufgabe des Hilfsvereins kann es nur sein, die grosse Aversion der Unternehmer gegen Galizien zu überwinden, was durch Gewährung der Einführungsspesen geschieht. Dann muss der Hase selber laufen oder die ganze Arbeit ist keinen Schuss Pulver wert. Dafür „brauchte man einen Galizischen Hilfsverein" und er ist stolz darauf, dass er sich bisher weise beschränkt hat. ROM.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.