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Ost und West · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. Seite 731 - 732

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Betrachtungen zur Ost-Afrika-Frage des sechsten Zionisten-Congresses
Date
1903-11-01
Page
Seite 731 - 732 (sequence 6)
Language
German
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731 Berthold Feiwel: Betrachtungen zur Ost-Afrika-Frage des sechsten Zionisten-Kongresses. 732 unbeschreibliche Aufregung bemächtigte sich der radikalen Palästinenser. Die Extremsten betrachteten HerzFs Vorschlag als gedeckten Rückzug von Palästina und schrieenvon Verrat am Zionismus. Aber auch die weniger Extremen erschraken vor allem vor der so übergangslosen Aufnahme des Projektes in das zionistische Programm. An die Ueberspannung politischer Erfolge gewöhnt, verfielen sie jetzt schnell in die entgegengesetzte Anschauung. Wenn der Führer sich zu einer so grandiosen nichtpalästinensischen Zwischenarbeit — vielleicht auf Jahrzehnte— entschiiesst, dann betrachtet er seine diplomatische F. BEER. „SCHMA ISRAEL/ (War im Stadtcasino zu Basel während der Congresstage ausgestellt.) Mission bei der Pforte gewiss auf absehbare Zeit als gescheitert. Und wahrhaftig, der eine Teil der diplomatischen Unterhandlungen hatte ja nach seinen eigenen Erklärungen nicht zu den erwünschten Ergebnissen geführt. Und die neue diplomatische Chance in Bezug auf Palästina, von der er in der Eröffnungsrede gesprochen hatte, erschien ihnen durchaus nicht fest und ausgiebig genug. War also der Kampf um Palästina jetzt wieder — da sie ihrer zu hochgespannten politischen Erwartungen beraubt waren — mit viel grösserer Anstrengung und mit viel stärkeren Mitteln zu führen, wie konnte man den Zionismus mit einem solch gewaltigen Projekt belasten? War das denn überhaupt noch Zionismus? Und dann erkannten sie immer klarer und fühlten immer schmerzlicher die Widersprüche zwischen dem alten und dem neuen Zionismus, und immer deutlicher wurde es ihnen bewusst, dass da ein neues Land mit dem ihren konkurriere, eine neue jüdisch-politische Anschauung mit ihrer reinen zionistischen. Und die Debatte, die auf dem Kongress anhob, belehrte sie, wie tiefbegründet ihre Angst und ihr Schmerz um Zion war. Was für Argumente brachten die Redner für Afrika vor! Wieviel gute, alte Leitsätze des Zionismus Hess da der Enthusiasmus der Afrikafreunde im Augenblicke fallen! Man könnte viel und viel darüber schreiben.*} Eine wirre, ungestüme Debatte. Die Nur-Palästinenser,. immer leidenschaftlicher erregt vor Schmerz, Zorn und Kummer, wurden schier erdrückt vom Parlamentarismus, der sie zwang, ein übermächtiges Gefühl in die hastigen, überstürzten Worte weniger Minuten zu pressen . . . Ein Streit zweier Tage für und gegen das neue Land, als ob man es schon hätte, als ob es^ wirklich schon geeignet sei für ein Gemeinwesen, als ob wirklich in den nächsten Zeiten hunderttausende Emigranten hinbefördert werden könnten, aber auch, als ob Palästina wirklich auf lange Zeit definitiv verschlossen sei. Ein in die Debatte plötzlich eingeführter Antrag auf Einsetzung einer Kommission — von der man nicht wusste, ob sie die Sache prüfen oder begraben, ob sie eine Anstands- und Höflichkeits-Kommission wegen Englands oder eine „diplomatische" sein solle — war der kümmerliche Halt der Redner. Es war ein Rettungskahn, über den aber die rednerischen Sturzwellen für oder gegen Afrika schonungslos hinweggingen. Es gibt wahrhaftig Leute, die sagen, es sei auf dem Kongresse nur um eine „ Kommission Ä, *) Einige charakteristische Aussprüche der Afrikafreunde in der Debatte (grösstenteils von Führern grösserer Grnppen herrührend) mögen hier doch Platz finden: „Es ist nicht richtig, dass das Ost-Afrika Projekt dem Baseler Programm widerspricht Die länger in der Bewegung sind, wissen, dass die allerersten Zionisten sehr im Zweifel waren, ob man Palästina überhaupt ins Programm nehmen solle" . . . „Der Geist ist mehr als der Boden und die jüdische Seele kann ihr Palästina überall schaffen" . . . „Uns ist das jüdische Volk wichtiger als das Land" . . . „Würde es eine Stärkung der Bewegung bedeuten, wenn wir nach Hause kommen, und sagen werden: Wir haben Euch „Ideale" vom Kongress mitgebracht?* . . . „Jedoch da man unserem Volke materielle Hilfe versprochen hat, muss man sie jetzt suchen. Was werden wir antworten, wenn wir sie ihm jetzt nicht bringen? . . .*

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