Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Betrachtungen zur Ost-Afrika-Frage des sechsten Zionisten-Congresses
- Date
- 1903-11-01
- Page
- Seite 725 - 726 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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725 Berthold Feiwcl: Betrachtungen zur Ost-Afrika-Frage des sechsten Zionisten-Kongresses. 726 REMBRANDT. DIE VISION DANIELS. ringeres wollte, ganz in der Stille den Boden Palästinas im Kleinen zu erobern, wie sie es lange Jahre vor Herzl getan. Aber keineswegs taten sie das so, dass sie deswegen auf die grosszügige Politik des Führers gänzlich verzichtet hätten, oder dass sie, verwöhnt und entwöhnt, wie sie waren, sich nunmehr entschlossen dem Arbeitsgebiet zugewendet hätten, das sie seit Jahren vernachlässigt hatten. Die andern aber, besonders die vom Westen, die Vertreter des reinsten „politischen" Zionismus, die die mechanische Lösung des zionistischen Problems umso höher einschätzten, je ferner sie der inneren Entwicklung des jüdischen Volkes standen, deren zionistisches Gefühl nicht aus lebendigem Judentum, sondern aus jüdischem Mitleiden und Mitempfinden entsprungen war, blieben bei ihrer im Laufe der Jahre immer mehr gestärkten Anschauung: dass man die Not des jüdischen Volkes nicht nur rasch lösen müsse, sondern auf diplomatischem Wege allein auch rasch lösen könne und dass es vor allem Sache des Führers sei, diese Lösung zu erkämpfen. Und ihr Geist drängte den unermüdlichen Führer, der die grosse Tat vollenden will, auf neue Wege. Die Zionisten und auch der Teil des Volkes, zu dem der Zionismus als Mythe oder als unbestimmte Anschauung gedrungen ist, haben Theodor Herzl einzige Ehren gegeben, aber auch das Grösste von ihm gefordert: Die Mehrzahl der Zionisten hatte sich daran gewöhnt, zu glauben, dass seine Kraft allein, wenn ihm nur gewisse finanzielle Stärkungen zur Seite ständen, hinreichend sei, Palästina zu schaffen. Die Träume des Volkes aber umwoben seine Person mit den Geheimnissen und Wundern eines Messias. Und er ging nochmals aus, das Land zu schaffen. * * ■ * Ich sehe, dass ich an dieser Stelle eine kleine Einschaltung machen muss, um Missdeutungen zu vermeiden, obwohl freilich eine so gedrängte Darstellung auch sonst vor Missverständnissen nicht bewahrt werden kann. Ich täte unserer Geschichte Unrecht, wollte ich hier nicht bemerken, wie nach Aussen hin unsere Organisation sich zu einer geradezu imposanten Ansehnlichkeit entwickelte und allmählich im lebendigen Judentum den bedeutendsten Machtfaktor darstellte, der als solcher manche