Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Das Gebiet des projektierten Judenstaates in Ostafrika
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 695 - 696 (sequence 8)
- Language
- German
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695 Kurt Toeppeti: Das Gebiet des projektierten Judenstaates in Ostafrika. 696 LÄNGS DER UGANDABAHN. NACH EINER ORIGINALAUFNAHME. Zwischen Kiu und Machakos Road ca. 440 km von Mobasa, ca. 1600 mtr. über dem Meeresspiegel. das Gute, zu verschwinden, sobald man den Fuss an Land setzt. In Mombassa angekommen, müssten die Einwanderer möglichst sofort, ohne im Hafen zu übernachten, mit der Bahn ins Innere weiter befördert werden; allerdings ist das Klima von Mombassa nicht so gefährlich, dass man sich zu fürchten braucht, im Gegenteil beweisen uns die gesunden Gesichter und kräftigen Gestalten der Söhne Albions eher das Gegenteil. Sie spielen ihr Lawn tennis oder Golf und trinken ihren Whisky und Soda mit derselben Gemütsruhe, als befänden sie sich im geliebten „old country." Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich' noch einige Worte über den Genuss von Spirtuosen sagen. Ich habe während der 18 Jahre, die ich in den dortigen Ländern zubrachte, die erste Hälfte mit, die andere ohne Spirituosen gelebt und bin entschieden für das „ ohne", von Ausschweifungen, die ja auch in Europa gefährlich sind, garnicht zu reden. Das Geschwätz, dass Alkohol stärkt und nährt, die Bacillen vertreibt, kann höchstens als schlechter Witz betrachtet werden. Der Anti- Alkoholiker hat ausserdem den Vorteil, dass er den Alkohol als Arznei gebrauchen kann, was natürlich bei jemand, der am Tage mehrere Flaschen Bier, ein halbes Dutzend Whisky und Soda, ferner verschiedene chasses-cafe zu sich nimmt, gänzlich ausgeschlossen ist. Ich habe es an meinem eigenen Leibe erfahren, dass ein guter Kognak einen Nicht¬ Alkoholiker förmlich elektrisiert, wenn er mal durch übermässige Strapazen oder Krankheit zusammengebrochen ist. — Das nebenbei! Jetzt hätten wir unsere Ansiedler noch im Eisenbahnwagen bis zu ihrem Bestimmungsort zu begleiten. Drei Landschaften, wrelche von der Bahn durchschnitten werden, sind bis jetzt ins Auge gefasst worden, und zwar Kikuju mit dichter Bewaldung an den Rändern und einer Ackerbau treibenden Bevölkerung, das Hochland von Leipikia mit seinen ausgedehnten Savannen, das Dorado der Viehzucht treibenden Massai, und schliesslich die Landschaft Mau, in welcher die Bahn mit einer Erhebung von 8327 engl. Fuss die höchste Höhe erreicht. Es wird Sache einer in allernächster Zeit abgehenden Expedition sein, festzustellen, wo man am besten mit der Ansiedlung beginnen wird, denn es ist unzweifelhaft, dass die geeigneten Ländereien gefunden werden. Diese meine Behauptung stützt sich auf eingehende Beobachtungen und Forschungen hervorragender englischer Beamter, vorzüglich des Afrikakenners par excellence H. H. Johnston, welcher in den Hochländern ebensogut zu Hause ist, als am Kongo oder am Nyassa oder am Kilima Ndjaro. H. H. Johnston schreibt in seinem offiziellen Rapport vom Juli 1901 über die Mau-Landschaften. „Im östlichen Teil des Uganda Protektorats gibt es eine Landschaft, fast ohne gleichen im tropischen Afrika, eine Region von etwa 12 000 Quadratmeilen (englischen natürlich), wunderbar bewässert, mit fruchtbarem Boden, kühlem und voll-