Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Das Gebiet des projektierten Judenstaates in Ostafrika
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 693 - 694 (sequence 7)
- Language
- German
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693 Kurt Toeppen: Das Gebiet des projektierten Judenstaates in Ostafrika. 694 sesshaft zu werden, aber auch ein Zeichen dafür, dass das gefürchtete Kriegsvolk in absehbarer Zeit von den Nachbarstämmen aufgesogen werden wird, zumal auch die eheliche Zusammengehörigkeit bereits in früheren Zeiten immer eine sehr lockere gewesen ist. So haben die Karawanenträger auch stets, trotz ihrer Furcht vor den Massai, Zeit und Gelegenheit zu Liebesverhältnissen gefunden. Am sichersten war der Ehebrecher in der Hütte des betrogenen Ehemanns. Er stiess einfach eine Massai-Lanze vor der Tür in den Grund und liess sie dort stehen. Kam der Hausherr, um bei den Penaten auszuruhen, so sah er den Speer dort stehen und dachte — natürlich in seiner Sprache - : „Aha! ma femme s'amuse", drehte sich in Ermangelung eines Absatzes auf der blossen/Hacke herum und tröstete sich vielleicht in der nächsten Hütte, vor deren Tür kein Speer zu sehen war. Wie gesagt sind die Massai im Vergleich zu früheren Zeiten harmlose Leute geworden, und wenn die Zionisten ins Land kommen, werden sie die Massai-Gefahr nur noch vom Hörensagen kennen lernen. Mit der Aufgabe des Nomadenlebens und der Hingabe zum Ackerbau hört das Raubhandwerk von selbst auf, denn das Interesse für Haus und Herd wird naturgemäss stärker, als der Hang zum Rauben und Wandern. Wie gelangen nun die Zionisten am besten nach ihrer neuen Heimat? Die Schiffsverbindungen nach Mombassa sind sehr gute und liegen in den Händen von zwei Gesellschaften. Erstens der British India Steam Navigation Co. Ld., deren Dampfer allerdings nicht direkt von London nach Mombassa gehen, sondern ein Umsteigen in Aden erfordern. Das ist natürlich ein Uebelstand, dem aber ohne Zweifel abgeholfen werden wird, sobald sich ein grösserer Verkehr entwickelt und das Bedürfnis einer direkten Verbindung vorhanden ist. Die deutsche Ostafrika-Linie hat einen vierwöchentlichen Verkehr von Hamburg direkt nach Mombassa, der im Falle des Bedürfnisses ohne weiteres in einem vierzehntägigen umgewandelt werden kann. Die Mombassa-Dampfer laufen Marseille und als letzten europäischen Hafen Neapel an; von hier dauert die Fahrt bis Mombassa nur noch 18 bis 19 Tage. Als angenehmste Zeit zum Reisen möchte ich Oktober bis Mai bezeichnen, denn erstens ist es in diesen Monaten im Suez- Kanal und im roten Meer am erträglichsten, und zweitens ist das Wetter im indischen Ozean am schönsten. Von Juni bis September ist der Südwest-Monsum so stark, dass das wildbewegte Meer nur einem seefesten Reisenden bekommt, schwächere Naturen liegen seufzend und würgend in ihren Kabinen, denn der Aufenthalt an Deck, namentlich kleinerer Schiffe, wird oft durch die schonungslos überwaschenden Wellen zur Unmöglichkeit. Seekrankheit tötet aber nicht, sondern hat im Gegenteil '^-VW'Ai ■. '^*fTi W% LÄNGS DER UGANDABAHN. NACH EINER ORIGINAL AUFNAHME. An der Station Escarpment (im Gebiete des projekt. Judenstaates) ca. 572 km von Mombasa ca. 2300 mtr. über dem Meeresspiegel.