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Ost und West · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. Seite 689 - 690

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Das Gebiet des projektierten Judenstaates in Ostafrika
Date
1903-10-01
Page
Seite 689 - 690 (sequence 5)
Language
German
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689 Kurt Toeppen: Das Gebiet des projektierten Judenstaates in Ostafrika 690 hatte. Während seiner Regierung bereisten unter andern Krapf, Rebmann, Livingstqne, Burton, Grant und Speke das Innere von Ostafrika. Madjid hatte die Absicht, seine Residenz nach dem der Insel gegenüberliegenden Dar-es-Salaam zu verlegen, um mit dem gewaltigen schwarzen Kontinent im Rücken dem immer dringender werdenden Verlangen Englands auf Abschaffung des Sklavenhandels besser besser, und in den Jahren, als ich General-Vertreter der Witu-Gesellschaft und dann auch Bevollmächtigter des späteren Sultans Fumo Bakari war, sind nennenswerte Beschwerden nicht vorgekommen. Der berühmte Helgoland-Vertrag warf alles über den Haufen. Eine deutsche Expedition wurde nach unverantwortlicher Provokation seitens ihres Führers Küntzel von den empörten Witu-Leuten QUERSCHNITT LÄNGS DER UGANDA- EISENBAHN VON MOMBASA ZUM VICTORIA NYANZA. Trotz bieten zu können, aber Dar-es-Salaam hatte Zanzibar gegenüber ebenso wenig Glück, als Versailles mit dem benachbarten Paris. Zanzibar blieb die Hauptstadt und Madjid musste seine Bauwerke an der Küste zu Ruinen verfallen lassen. Im Norden seines Reiches hatte er Erfolge gegen die Sultane von Patte aufzuweisen, er vertrieb sie aus ihrer Residenz, die sie seit fast 700 Jahren innegehabt hatten, erst nach Kau im Osi- Fluss; aber auch hier liess er ihnen keine Ruhe, sondern zwang sie, in den Busch zu fliehen, wo sie Anfang der sechziger Jahre das später so bekannt gewordene Dorf Witu gründeten. In Witu führten die Nebhaniden mit ihrem spärlichen Anhang und einer ziemlichen Anzahl Geächteter, welche sich aus den Verbrechern der Küstenstädte Lamu, Siu und Paza rekrutierten, sowie davongelaufenen Sklaven eine Art Räuberleben. Zu Witu gehörten die Dörfer Katawa, Jongeni, Pumuani, Mtanga Makundu etc., welche von ähnlichen Gesellen bewohnt waren. Im Jahre 1885 wurde Sultan Achmed der Welt als bedeutender Sultan und eigentlicher Herr von Ostafrika vorgestellt. Man nahm es damals nicht so genau, wenn man eine Handhabe fand, Land zu anektieren. Der alte Achmed mag sich schön gewundert haben, als ihm plötzlich ein Reich zugesprochen wurde, welches weit über seine kühnsten Hoffnungen hinausging. Die Zustände im Witu-Lande wurden niedergemacht, Witu wurde durch den englischen Admiral Freemantie zerstört. Die Zustände wurden schlimmer als je. Im Jahre 1891 gelang es mir, zwischen der englischen Ostafrika-Gesellschaft und dem „Busch41 Frieden zu machen, der jedoch nicht lange dauerte, da verschiedenen Elementen der Kriegszustand besser behagte, denn im Frieden liess sich nicht so viel verdienen. Schliesslich wurden die Buschdörfer aufgehoben und der letzte Sultan aus der Familie Nebhani starb in Gefangenschaft in Zanzibar. — Auf Madjid folgte im Jahre 1870 sein in Europa sehr bekannter Bruder Barghasch bis 1888. Unter seiner Regierung wurden zahlreiche Reisen von europäischen Forschern ausgeführt, und in diese Zeit fiel auch der berühmte Zug des Dr Carl Peters, der Ostafrika aus seiner Ruhe aufrüttelte und gewissermassen zum Zankapfel der dort interessierten Mächte machte. England schob zuerst nur einen Keil zwischen die deutschen Besitzungen: Deutsch-Ostafrika im Süden und Witu im Norden, um dann einige Jahre später dem deutschen Einfluss im Norden gänzlich den Garaus zu machen. Unter Barghasch bequemte sich die eine Linie der vorhin erwähnten Masrui zu einer Art Kompromiss, das Land und die Verwaltung blieben den Masrui, aber Barghasch bezog die Zölle und zahlte dafür ein Jahrgeld an den Häuptling Schich Salim bin Chamis in Takaungu. Die andre Linie unter Mbaruk erkannte Barghasch nicht an und kam erst mit dessen Nach-

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