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Ost und West · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. Seite 687 - 688

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Das Gebiet des projektierten Judenstaates in Ostafrika
Date
1903-10-01
Page
Seite 687 - 688 (sequence 4)
Language
German
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687 Kurt Toeppen: Das Gebiet des projektierten Judenstaates in Ostafrika. 688 QUERSCHNITT LÄNGS DER UGANDA - EISENBAHN VON MOMBASA ZUM VICTORIA NYÄNZA. (FORTSETZUNG). Eine Reise nach dem Kilima Ndjaro oder nach dem Viktoria Nyanza gilt nicht viel mehr, als eine Fusswanderung durch den Böhmerwald, und in der Tat sind die zu überwindenden Schwierigkeiten auch bedeutend geringer, als sie es vor etwa 20 Jahren waren. Die Bücher aller Afrikareisenden fangen mit einem Klagelied über die schlechten Verbindungen, über die Segelfahrzeuge — Dhaus — der Eingeborenen und namentlich die Plage mit den Trägern an. Wer damals ins Innere reisen musste, kann diese Klagen verstehen. Auch mir ging es nicht viel besser auf meiner oben erwähnten Reise trotzdem ich schon damals die Suaheli-Sprache ziemlich beherrschte —- sowie später auf meiner Expedition nach Uniamwezi, auf meinem Zug nach dem Massai-Land am Kilima Ndjaro und vielen andern kleineren Reisen. Die Dhau, welche den Reisenden von Zanzibar zur Küste brachte, ist ein Fahrzeug, welches bereits zur Zeit der Reisen nach dem sagenhaften Ophir dieselbe Gestalt gehabt haben mochte; von Wind und Wetter abhängig, mehr als irgend ein anderes Segelfahrzeug, da die Dhau sich durch ihre ungeschickte Takelage nur wenig zum Autkreuzen gegen den Wind eignet. Eine Ueberfahrt von Zanzibar nach Bagamoyo, die bei günstigem Wind in 4 6 Stunden auszuführen ist, kann unter Umständen mehrere Tage dauern. War nun der Reisende glücklich drüben angelangt, so hatte .er meist gegen den bösen Willen der arabischen Beamten, und wenn er nicht das Talent oder die Mittel hatte, sich beliebt zu machen, gegen die ganze Bevölkerung seines Landungsplatzes anzukämpfen. Als Krone des Ganzen kamen dann die Qualen mit den Trägern, von denen stets ein Teil mit den erhaltenen Vorschüssen ausrückte; auch dies hat sich mit dem Vordringen der Zivilisation geändert. Bekanntlich wurde Afrika zuerst von Vasco da Gama bereist, fast könnte man sagen, entdeckt. Die Portugiesen gründeten dann in Ostafrika Faktoreien und Verwaltungen, ihre Macht war jedoch nicht so gross, dass man sagen könnte, sie beherrschten das Land. Uebrigens waren die herrschenden Stämme, welche die Portugiesen in Ostafrika vorfanden, keine Neger, sondern Nachkommen einer persisch-arabischen Einwanderung, die auf einer verhältnismässig hohen Kulturstufe standen; mit diesen waren sie dann in stetem Kampf um den Besitz des Landes. Mombassa war der Mittelpunkt des portugiesischen Einflusses und das noch heute dort stehende Fort die kräftigste Stütze ihrer Macht. Die arabische Familie der Masrui entriss Mombassa den Portugiesen. Im Anfang des vorigen Jahrhunderts erschien Said bin Sultan, der Imam von Mascat, in Ostafrika und brachte durch Krieg, List und Gewalt fast die ganze, später unter dem Namen „Sultanat Zanzibar" bekannte Küste, einschliesslich der Inseln unter sein Scepter. Widerstand leisteten haupsächlich die Masrui, welche sich nach ihrer Vertreibung aus Mombassa in dem nördlicher gelegenen Takaungu und dem südlicher gelegenen Gasi festsetzten und die, der Familie Nebhani entstammenden Sultane von Patte, welche dann später nach Witu flüchten mussten. Said bin Sultan starb im Jahre 1856 auf einer Reise von Maskat nach Zanzibar; nach seinem Tode zerfiel das grosse Reich, welches dieser hervorragende Mann im Laufe der Jahre mit unendlicher Mühe und Geduld aufgebaut hatte, in eine arabische und eine afrikanische Hälfte. In der arabischen Hauptstadt Maskat regierten die Sultane Thwain, Salim, Turky und bis zur Stunde Fessal, alle direkte Nachkommen Saids. In Zanzibar kam zuerst Madjid auf den Thron, den er bis zu seinem Tode 1870 inne

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