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Ost und West · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. Seite 629 - 630

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
Die Juden von Buchara
Date
1903-09-01
Page
Seite 629 - 630 (sequence 5)
Language
German
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$?d Mittlerweile wären wir bei dem Hause einer Kranken angelangt. Vor der Tür drängte sich die , Menge, doch gingen ausser den Eltern des Mädchens nur Jakub und einige Andere mit hinein. Die Frauen waren unverschleiert. Nach englischer Sitte reichte ich der Mutter die Hand; sie nahm dieselbe auch, obgleich ich später erfahren habe, dass es gegen die Lehre der Rabbiner ist, dass eine Frau einem Manne die Hand drückt. Das Mädchen litt an einer Augenentzündung, für welche Sevier ihm ein Mittel zu senden versprach. Dann wurden wir gebeten, zu einem anderen Patienten in der Nähe zu gehen, einem alten, gelähmten Rabbi, der, als Sevier sich bei der Untersuchung über ihn beugte, bis zu Tränen gerührt war, die Hände auf den Kopf meines jungen Freundes legte und ihn segnete. Sevier würde Beine und Rücken des Kranken haben elektrisieren lassen, wenn Vorkehrungen dazu in Buchara vorhanden gewesen wären; allein da dies nicht der Fall, so schrieb er ein Rezept aus, das in Samarkand angefertigt werden sollte. . Ich weiss nicht, ob die Leute des Emirs mittlerweile zu der Ueberzeugung gekommen waren, dass sie zu weit gegangen seien; jedenfalls mussten sie aber bemerkt haben, dass ich ärgerlich war, denn sie begannen sich damit zu entschuldigen, sie hätten befürchtet, dass ich in der Menge zu Schaden kommen könnte, und deshalb gewünscht, dass ich mich nicht in die Häuser hineinwagen möchte. Im Hause des Rabbi wurden uns Früchte angeboten, diewirassen; bei dieser Gelegenheit erkundigte ich mich nochmals nach alten Handschriften, vermochte jedoch nichts darüber in Erfahrung zu bringen. Später sahen wir keine der hervorragenden Juden Bucharas mehr. Zwar kamen noch zwei Leute nach unserem Quartier, von denen der eine schlimme Augen hatte, während der andere Jakub charakteristischerweise mitteilte, er habe europäische Kleider zu verkaufen. Wir hatten jedoch keinen Bedarf an denselben, auch fehlte uns die Zeit zu einem Besuche bei dem spekulativen Geschäftsmanne, da am nächsten Tage noch weitere sechs Juden und zwei Jüdinnen um unsere Hilfe nachsuchten. Von den Letzteren litt die eine an einem leichten Kropfansatz, die andere an Augenentzündung, von den ersteren einer an einer Verletzung der Hand. Von da an kamen wir in Zentralasien nicht wieder mit Juden in Berührung. Um dieses Thema hier zu BUCHARER JUDEN. beendigen, will ich gleich hinzufügen, dass ich, als ich nach meiner Abreise von Buchara an den Emir einen Brief richtete, um mich bei ihm zu bedanken, die Gelegenheit benutzte, um meinem königlichen Wirte das Wohl der Israeliten in folgenden Worten ans Herz zu legen: Petro-Alexandrowsk, Okt. 17/29. 1882. An Se. Majestät den Emir von Buchara. Sire! Meinem Versprechen gemäss beeile ich mich, Ew. Majestät meine glückliche Ankunft hierselbst mitzuteilen und noch einmal meinen Dank auszusprechen für alle die Freundschaft, welche mir auf dem Wege durch Buchara zuteil geworden ist. Ich will die Geduld Ew. Majestät nicht mit der Aufzählung alles dessen erschöpfen, was mir gefallen und mich interessiert hat; wenn ich mir aber erlauben darf, eins zu erwähnen, was mir auf der Reise in Centraiasien Schmerz bereitet hat, so ist das die Lage der Juden. In Samarkand wurde mir schon gesagt, dass den Juden m Buchara grosse Beschränkungen auferlegt seien, und als ich sie besuchte, fand ich zu meinem Bedauern alles bestätigt, sowie dass sie nur eine Synagoge besitzen. Darf ich nicht zu hoffen wagen, dass Ew. Majestät ihnen gnädigst gestatten werden, noch andere Synagogen zu bauen, wenn sie solche wünschen? Ew. Majestät werden sich ohne Zweifel erinnern, dass die Juden das alte Volk Gottes sind, dem er Seine erste geschriebene Offenbarung übergeben hat, und dass Jesus Christus, unser grosser christlicher Prophet, ebenfalls ein Jude war. Es würde deshalb sicherlich dem Gott, den Ew. Majestät anbetet, wohlgefällig sein, wenn Sein Volk in Ihrem Reiche ähnliche Privilegien erhielte, wie Ihre andern Untertanen. In England pflegten wir, wie andere europäische Nationen, den Juden früher viele und schwere Be-

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