Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Die Juden von Buchara
- Date
- 1903-09-01
- Page
- Seite 631 - 632 (sequence 6)
- Language
- German
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G31 Henry Landsdell: Die Juden von Buchara. 632 schränkungen aufzuerlegen, dessen und haben ihnen welche wir selbst haben. Ich hoffe daher aufrichtig, dass Ew. Majestät nach gehöriger Ueberlegung geruhen möge, dasselbe zu tun, denn ich erbitte dies nur aus Liebe zu dem Volke, unter welchem auch ich in England Freunde habe. Gestatten Ew. Majestät mir nochmals, meinen Dank für die reiche Gastfreundschaft auszusprechen, welche mir in Buchara zuteil geworden ist, eine Gastfreund - aber wir schämen uns jetzt dieselben Rechte gegeben, BUCHARER JUDEN. schaft, wie ich sie in keinem andern Lande der Welt kennen gelernt habe, und zu verbleiben Ew. Majestät gehorsamer Diener Henry Lansdell. Welche Früchte dieser Brief getragen hat, habe ich leider nicht in Erfahrung bringen können; es drängte . mich jedoch im Interesse der zerstreuten Ueberreste jener Rasse, bei der ich viel Interessantes gesehen und die mich freundlich aufgenommen hat, wenigstens den Versuch zu einer Besserung ihrer Lage zu machen. STERBLICHKEIT UND KRANKHEITEN BEI JUDEN UND NICHTJUDEN. Von Dr. Hugo Hoppe, Nervenarzt in Königsberg. II.*) Besonders bemerkenswert ist, dass die Juden unter der grössten Geissei des Menschengeschlechts, der Tuberkulose, weit weniger zu leiden haben, als die Nichtjuden. So kamen in New-York von 1885 bis 1890 an Todesfällen infolge von Schwindsucht auf 1000 Lebende derselben Nationalität bei den Russen und Polen (fast alles Juden) "nur 98, bei den Ungarn (auch sehr viel Juden) 155, bei den Amerikanern aber 205, bei den Italienern 233, bei den Engländern 322, bei den Franzosen 325, bei den Deutschen 329, bei den Schotten 384, bei den Böhmen 499, bei den Iren 646 und bei den Negern 744. Nach einer Statistik über 10668 über die Vereinigten Staaten zerstreute jüdische Familien von Billings ist die allgemeine Tuberculosesterblichkeit in Nordamerika 3mal so gross als bei den Juden allein. Dass dabei nicht etwa eine grössere Wohlhabenheit bei den Juden eine Rolle spielt, beweist der Umstand, dass in den 3 dichtbevölkertsten und ungesündesten Distrikten von New-York das Verhältnis kein anderes ist (5,76 /o bei den Juden, aber 13,04% bei den Engländern, 14,12% *) Siehe „Ost und West" Heft 8. bei den Deutschen, 12,44 % bei den Iren). Auch ist in dem berüchtigten Stadtteil Whitechapel,\*wo das Gros der eingewanderten russischen und polnischen Juden wohnt, die Schwindsucht unter den Juden seltener als unter den Christen. Auffallig gering ist auch nach Schepotscheff die Tuberkulose unter den Juden in der russischen Armee, obgleich die Ernährung der russischen Juden im allgemeinen erbärmlich ist. Ausser der Lungentuberculose spielt noch eine andere verheerende Volksseuche, die Syphilis, bei den Juden eine wesentlich geringere Rolle als bei den Nichtjuden. So betont neuerdings F. K. Procksch in seiner „Geschichte der venerischen Krankheiten" (1895) die relative Immunität der Juden gegen Syphilis. Im Metropolitan Hospital zu London z.B. verhielt sich i. J. 1854 die Zahl der jüdischen Syphilitiker zu der christlichen wie 1 : 15, während das Verhältnis aller jüdischen Kranken zu allen christlichen 1 :3 betrug. Dass der Alkoholismus oder die chronische Alkoholvergiftung, diejenige Volksseuche, welche neben der Tuberkulose die meisten Opfer fordert, bei den Juden ausserordentlich selten ist, ist bei