Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Isidor Kaufmann
- Date
- 1903-09-01
- Page
- Seite 597 - 598 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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597 Dr. G. Kutna: Isidor Kaufmann. 598 I. Kaufmann; Von des Hohenpriesters Stamme. gelockt; darum lächelt er, doch ohne das volle, das verschmitzte Verständnis. Dies hat eher der dritte am Fenster, auf dessen Kosten vielleicht der Kniff gelungen. Ihm ging es schlecht auf seinem Geschäftsgange, so horcht er jetzt missmutig und misstrauisch, ob er die Gründe seines Misserfolges oder Mittel des Erfolges erlauschen könnte. Dies alles ist etwas zufällig in der Composition, ohne zwingende Einheit, wie es vorgetragen ist; doch ist es aus dem Ganzen des Lebens geschöpft. „Schachspieler". Es ist ein weltlicher Genuss, der ihnen nicht versagt ist. In ihm offenbart sich ihnen, was anderen Kulturkreisen Genuss des Schönen ist. IhreAesthetik ist eine logisch-geistige, von einer körperlich-formalen wissen sie nichts. Sie befällt keine Sehnsucht, auf die Berge zu steigen; und stiegen sie hinauf, sie unterhielten sich, als wären sie in ihrer Behausung. So haben sie keine Berge, keine Seeen, keine Blumen, keine Nacktheit und keine lachende Schönheit. Aber kühne Synthesen, Anekdoten, Midraschdeutung, Gleichnisse und Schach. Denn Verstand und Geld, das sind die Besitztümer, die einem bleiben, wenn man gesellschaftlich enterbt ist; weil sie zu unpersönlich sind, als dass man sie nehmen könnte. Und wer kein Geld hat, dem bleibt nur der Geist, mit dem er kämpfe oder — spiele. Dieses Plänkeln der Gedanken, dieser Wechsel von Stoss und Gegenstoss geistiger Potenzen hat hier Methode gewonnen; ist aus der Person herausgetreten und objektiviert sich in dem Stande der Figuren. Die geistige Stärke oder Schwäche tritt ihnen in wahrnehmbarer Tatsächlichkeit der Aussenwelt vor Augen. Hier bekommen sie einen Begriff von wissenschaftlicher Denkart. Der Aeltere ist gerade dabei, bedächtig einen Zug zu tun; die Faust ist noch leicht geballt zur Spannung der Kräfte. Er sinnt und sucht ein reales Objekt für das Ergebnis seines Nachdenkens. Er sucht, denn er ist der Schwächere; darum lehnt er sich etwas schwer zu dem Brett, mit einem schwerfälligen Bewegungsmotiv, und stützt die denkende Stirn. Die geistige Spannung ist aber ruhig, ohne persönliches Interesse; die Gedanken suchen, aber ohne Zwang, ohne die Angst, ob sie auch finden. Der Andere ist der Stärkere, sonst und diesmal. Sein Stand ist besser, und der Sieg ist ihm wahrscheinlich. So genügt ein rasches Hineilen der Gedanken, um die günstige Position I. Kaufmann: Sohn des Wunderrabbi von N . . .