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Ost und West · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. Seite 529 - 530

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Jüdische Wirtschaftsgeschichte
Date
1903-08-01
Page
Seite 529 - 530 (sequence 2)
Language
German
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529 Lazar Felix Pinkus: Jüdische Wirtschaftsgeschichte. 530 So ist es denn kein Zufall, dass wir bei dem grössten Nationalökonomen der alten historischen Schule, Wilhelm Roscher, zum erstenmal klipp und klar den ökonomischen Inhalt der Judenfrage erkannt sehen. Nicht in der Weise, als ob er ihn auch erschöpfend dargestellt habe. Keineswegs, aber er hat doch mit dankenswerter Schärfe das Moment der unterschiedlichen Wirtschaftsweise der Juden in den Vordergrung gerückt und herausgehoben. So schreibt er: „Wenn wir die rastlose Tätigkeit der Juden inbezug auf *; den damaligen Handel und noch den Umstand im Auge behalten, dass in das 13. und 14, Jahrhundert die Entwicklung des selbstständigen Bürgertums in Europa fällt, so werden wir verstehen, warum die Verfolgungen der Juden des späteren Mittelalters als Produkt der Handelskonkurrenz, als Kreditkrisen barbarischster Art aufzufassen sind, als eine mittelalterliche Form dessen, was heutzutage soziale Revolution genannt wird." Demgemäss folgert Roscher in seiner „ Geschichte der Nationalökonomie in Deutschland," dass die Verfolgungen der Juden im Mittelalter dann begonnen haben, als „das heranwachsende Bürgertum reif wurde, die volkswirtschaftlichen Handelsdienste der Juden auf sich zu nehmen und ihnen daher zu missgönnen." Eine solch' klare Darlegung wird eben nur aus tief historischer Betrachtung entspringen können. Es nimmt nur Wunder, dass Roscher nicht versucht hat, dem Phänomen der absonderlichen Stellung der Juden im Mittelalter auf den Grund zu gehen. L. HOROWITZ. Gerade in allerneuster Zeit ist jedoch ein Nationalökonom, der sich ebenfalls der historischen Methode bedient, auf Grund eines überreichen Quellenmaterials zu denselben Resultaten gekommen und ebenfalls dort stecken geblieben, wo auch Roschers Auffassung versagte. Von allen lebenden Nationalökomen ist wohl Werner Sombart derjenige, der am tiefsten in das Wesen der Judenfrage eingedrungen ist. Schon sein Ausspruch, dass Marx der grösste Jude des XIX. Jahrhunderts gewesen sei, war ein Anzeichen dafür. Sein „Moderner Kapitalismus" beweist dieses Verständnis des Weiteren. „Die jüdische Rasse ist", so schreibt er, „— ob von Natur, ob durch den Gang der geschichtlichen Entwicklung, bleibt sich gleich — nach einer Seite ihrerVeranlagung gleichsam die Inkarnation kapitalistisch -kaufmännischen Geistes. Deshalb verachtet, so lange dieser nichts galt, geduldet und geschätzt, seit und wo er in Kurs gekommen ist." Ein Forscher wieSombart kann es natürlich nicht für gleichgiltig halten, ob die Juden von Natur, oder durch den Gang der geschichtlichen Entwicklung so geartet seien. Demgemäss belehrt er uns in seinem jüngst erschienenen Werk „Die deutsche Volkswirtschaft im XIX. Jahrhundert", dass es der in der jüdischen Rasse lebende, „durch nichts von seinem Ziele abzubringende Wille ist, der die Juden in so hohem Masse für das kapitalistisehe Wirtschaftssystem geeignet mache." Sombart ist hier durchaus konsequent im Sinne seiner Theorie, die als „letzte Ursachen, auf DER ERSTGEBORENE.

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