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Ost und West · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. Seite 523 - 524

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Leopold Horowitz
Date
1903-08-01
Page
Seite 523 - 524 (sequence 6)
Language
German
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523 B. Sarimei: Leopold Horowitz. 524 Bezeichnend für die Malweise von HorQwi^ ist seine Behandlung der;HmteYgmr^e.;:\^^^l wendet hierzu weder Draperien, -rioch Interieurs,; noch Landschaften. In seiner Abneigung gegen lebhafte Farben stellt er, seine Modelle in .den freien Raum hin oder vor einem braunen oder grauen Grund, von dem er die Figuren durch Lichtflecke oder Verdunkelungen loslöst. Im Gegensatz zu Lenbach, dessen Gestalten fast immer entweder etwas Interessantes tun oder soeben getan zu haben scheinen, treten uns Horowitz' Menschen in neutralen Situationen entgegen; er lässt sie durch ihr Selbst, auf ihr eignes Ich zurückgezogen, wirken. Der Mensch als solcher, ohne Rücksicht auf das, was er gerade tut, muss nach seiner Meinung interessieren. Ebensowenig liebt er es, seinen Modellen eine malerische Positur zu geben, oder gar sie in wirkungsvolle, prächtige Kostüme zu stellen, wie das beispielsweise Matejko und Rodakowski mit Vorliebe taten. Nicht wie sie im grossen Staat, sondern wie sie in ihrer Alltäglichkeit sind, liebt er die Menschen und malt sie daher am häufigsten in ihrer konventionellen Tracht, wodurch einerseits das Auge nicht von der Hauptsache abgelenkt wird und andererseits die Bilder etwas Intimes und Anheimelndes gewinnen. Man hat immer den Eindruck, dass Horowitz mit den von ihm dargestellten Personen vertrauten Umgang gepflegt und ihr innerstes Wesen erforscht hat, — gemäss der Vorschrift eines geistvollen Franzosen: „Bien comprendre son homme est la premiere qualite du portraitiste". Die Anmut und die Grazie, welche seinen Strich kennzeichnen, Hessen Horowitz lange Zeit vorwiegend als Frauenbildnismaler erscheinen. Vor 21 Jahren schrieb der berühmte polnische Romandichter Henryk Sienkiewicz über Horowitz: „Dieser Künstler ist ein Meister im Bereiche des Porträts . . . In Bezug auf Ausführung und Technik ist er einfach vollkommen, da kann man ihm keine Mängel nachweisen." Doch findet Sienkiewicz, dass bei Horowitz die „Kraft" vor der Feinheit und der Anmut zurücktrete, weswegen seine Frauenporträts viel höher stehen als die Männerbildnisse, „obgleich auch hierin nur wenige sich mit ihm messen können". . . , Seither hat Horowitz die von Sienkiewicz für das Männerporträt geforderte „Kraft" in hohem Grade entfaltet. Seine eminente Fähigkeit, zu charakterisieren, bewährte sich hier, wo es ja darauf hauptsächlich ankam, noch glänzender als in den Damenbildnissen. Auch die Männer zeigt er frei von allen schimmernden Aeusserlichkeiten L. Horowitz: Portrait des Publizisten Franz Pulszky. (Gewesener Direktor des Museums in Budapest.) in möglichst schlichter Haltung und anspruchsloser GeMrandung. Dagegen verwendet er viel Sorgfalt auf die Modellierung des Kopfes und Tönung der Haut- und Haarfarbe. Wer Männerbildnisse malt, hat es ungleich schwieriger, unansehnlichen oder unschönen Formen aus dem Wege zu gehen (vergl. das Porträt von Fr. Pulszky). Der obengenannte Franzose sagt aber: „Die schönsten Porträts sind nicht die der schönsten Figuren." So sehr er gegebenenfalls die Unterstützung durch das Stoffliche ansprechender Gestalten und durch die von gefälligen Erscheinungen ausgelösten Ideenassociationen geschickt zu nützen weiss, ebensowenig ist er geneigt, das Gegenteil zu verschleiern oder zu dämpfen. Vor der Gefahr, „die Natur zu korrigieren", schützt ihn schon sein redlicher, von einem gewissen Trotz getragener Sinn. Auch hütet er sich wohlweislich davor, in die Figuren sein eigenes Ich hineinzutragen; aber da er sich nicht damit begnügt, nur den malerischen Schein der Maske festzuhalten, sondern das dahinter pulsierende Seelenleben zeigt, so weiss er immer seinen Männern einen Moment abzugewinnen, da sie, in die entsprechende Beleuchtung und Ansicht gestellt, ohne

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