Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Leopold Horowitz
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 521 - 522 (sequence 5)
- Language
- German
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B. Samuel: Leopold Horowitz. 522 ••.**V' L. Horowitz: Portrait des Herrn Nicolaus Duniba. Ballast der Schule längst abgeschüttelt hatte und er selbst geworden war, fand nun reichliche Gelegenheit, sich seinen eigenen Weg zu bahnen und sich einen eigenen Stil zu schaffen. Seinen Ruhm begründeten zunächst die Frauenbildnisse, so vor allem das in Lemberg gemalte Bildnis der alten Fürstin Adam Sapieha, geb. Gräfin Zamojska, einer der schönsten und geistvollsten Frauen ihrer Zeit, — welches noch lange nachher auf der Landesausstellung in Budapest 1885 dem Künstler den ersten grossen Ehrenpreis einbrachte. Unter den Modellen, die er darzustellen hat, treten dem Bildnismaler zwei Haupttypen entgegen: die' einen sind nach plastischem Formenmassstäbe gebaut, und das Wesen ihres Reizes beruht auf Haltung und Linien; die Schönheit und der Charakter der anderen liegen in Farbe und Farbenkontrast, in dem feinen Spiel der Mienen und der Beweglichkeit des Körpers. Das Geheimnis der Wirkung eines Porträts beruht zum grössten Teil darauf, ob der Maler mit richtigem Blicke das Wesen seines Modells erkennt und dafür die passende Darstellungsweise und die geeignete Technik wählt. Horowitz versteht es mit seltener Distinktion, die bildnerische Beschaffenheit seiner Figuren herauszufinden. Eine Gestalt, wie die der Gräfin v. d. Gröben, „ein zur Bildhauerei geschaffenes Gewächs", stellt er in einseitiges Licht mit ziemlich "scharf abgegrenzten Schatten; der herrliche Kopf wendet in skulpturaler Haltung dreiviertel Profil dem Beschauer zu, der wie träumend in die Ferne gerichtete Blick mildert den stolzen, entschiedenen Ausdruck des Gesichtes, auf dessen Wange ein leiser Schatten spielt; linke Schulter und Arm in vollem Lichte modelliert, die Linie des Arms, ebenmässig von einem schmalen Reifen durchquert, findet ihre Fortsetzung in den Falten des von den Fingern leicht gerafften Kleides, wodurch ein sanftes Wogen der im allgemeinen in die Höhe gerichteten Formen erzielt wird; das schwarze Spitzentuch hebt die blühende Hautfarbe. Die Gesamterscheinung tritt gleichsam statuenhaft aus dem Hintergrunde heraus. Das Helldunkel dagegen, dieses feine Instrument zur Beherrschung der vorüberhuschenden, flüchtigen und für das gewöhnliche Auge unfassbaren Bewegungen von Miene und Gestalt, —das Helldunkel wandte Horowitz an, um das sehnsüchtige, zarte, melancholische Köpfchen der Frau von Mendelssohn, oder um die weichen, sanften, aber lebensvollen Züge im Porträt der Frau Linder zu modellieren. L Horowitz: Portrait der Frau Helene Hartmann.