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Ost und West · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. Seite 517 - 518

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Leopold Horowitz
Date
1903-08-01
Page
Seite 517 - 518 (sequence 3)
Language
German
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517 B Samuel: Leopold Horowitz. 518 L. Horowitz: Portrait des Chirurgen, Hofrat Prof. Dr. Albert. seine zeichnerische Wissenschaft, sondern auch seine Lebenserfahrungen beibringen und ihm so die Kunstschrullen austreiben würde. Und in der Tat riet der Lehrer seinem Schüler, das eigentliche „Kunstfach" zu lassen und sich lieber der Dekorationsmalerei oder der Lithographie zu widmen. Doch vermochten diese niederdrückenden Aussichten den Drang und die Hoffnungsfreudigkeit des Knaben nicht zu brechen. Da seine Gesundheit unter dem Widerstreit zwischen den eigenen Wünschen und den Absichten der Eltern zu leiden anfing, entschlossen sich die letzteren, den Bitten des Sohnes nachzugeben und ihn, der damals 16 Jahre zählte, in die Malerschule der Wiener Akademie der Künste eintreten zu lassen. Im Herbst 1853 bezog also Horowitz die Wiener Kunstschule, wo er 57a Jahre blieb. Von seinen Lehrern scheint nur J. N. P. Geiger einigermassen gedeihlich aul seine Entwicklung eingewirkt zu haben, da dieser ein Auge für die individuelle Begabung seiner Schüler hatte und sie anspornte, ihre Eigenart zu entfalten. Während seiner Wiener Studien errang Horowitz einen ersten akademischen Preis, der ihm die Befreiung vom Militärdienst, aber sonst keine materiellen Vorteile brachte. Der heisse Wunsch des jungen Malers, nach Absolvierung seiner Wiener Studien in Paris zur ferneren Ausbildung längeren Aufenthalt zunehmen, konnte aus Mangel an Mitteln zunächst nicht in Erfüllung gehen. So folgte er denn der Einladung eines Onkels nach Warschau, wo er gegen zwei Jahre blieb. Der Aufenthalt daselbst wrurde für seine weitere Entwicklung entscheidend. Leopold Horowitz hatte nichts als sein grosses und echtes Talent. Die Umgebung, in der seine Kindheit verfloss, bot weder eine einheitliche kulturelle Basis, noch ein Milieu mit ausgeprägtem Charakter und geschlossener Tradition. Deutsches und ungarisches Wesen flössen hier in einander, ersteres bereits in der Zersetzung begriffen, letzteres noch unentwickelt; das jüdische Element aber war ziemlich verwischt, zwischen Altem und Neuem unklar hin- und herschwankend, ohne jene starken Impulse, die durch ihre ausgesprochene Eigenart Gemüt und Phantasie eines werdenden Künstlers gefangen nehmen und seinem Schaffensdrang Nahrung geben. Warschau dagegen war nicht nur eine Kunststätte ersten Ranges, wo reges künstle- L. Horowitz: Portrait der Frau Linder, Wien.

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