Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Zur Lage
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 509 - 510 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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509 Nathan] a Satmwi: Zur Lage. 510 LEOPOLD HOROWITZ. TISCHAH-B'AB. Festmahles, sondern mit ernster Besorgnis verfolgten und die in den politischen Kalkül nicht die liberale Weltanschauung von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sondern die geschichtsleitenden volkspsychologischen und wirtschaftlichen Faktoren einbezogen. Seit zwanzig Jahren hat der Zionismus auf die Notwendigkeit der Schaffung einer Heimstätte hingewiesen. Schon bei den elementaren Wanderungen aus dem Osten während der 80 Jahre hatte nur die zum Aeussersten gespannte Geldwoltätigkeit die Verschickung — den Transport! — ermöglichen können. An eine Ueberpflanzung in ein neues Erdreich war nicht zu denken. Und heut?! Die Führer in Israel sind mit ihrer Kenntnis am Ende. Für ein Land ist nicht gesorgt; und die Organisation einer durchgreifenden Volksselbsthilfe blieb auf den doch im Verhältnis zum Volksganzen engen Kreis der Zionisten beschränkt. Sie haben getan, was in ihren Kräften stand. Und es ist ihnen gelungen, vielen Brüdern wieder den Willen zu jüdischem Eigenleben zu bringen und die Widerstände auszuschalten, die eine lächerlich-ängstliche Auffassung des Staatsbürgertums dem nationalen Hilfswerk entgegenstemmte. Freilich die ungeheuren Geldmittel, die das grosse Werk heischt, hat die kleine Schar nicht aufbringen können; und es waren ja die Aermsten, in denen die Sehnsucht nach Freiheit und nationaler Stolz und jüdische Manneswürde lebten. Freilich wird der Kreis von Stunde zu Stunde weiter, und es steht zu hoffen, dass die Leiter der grossen jüdischen Organisationen unter der Gewalt der Tatsachen alle persönliche Gereiztheit niederhalten und ihre reichen Mittel für die Erlangung und Sicherung einer Heimstätte für die Vertriebenen unseres Volkes einsetzen. Es ist die einzige Rettung! Und noch jeder, der in die Judenfrage hineinblickt und die ganze Macht der Tragödie, die sich vor unsern Augen abspielt, auf sich einwirken lässt, muss Zionist werden. Gewiss! Heute muss die Losung bleiben: Ausharren! Und dulden! Der Kampf mit den finstern Mächten, welche die breite Masse unseres Volkes vertilgen wollen, muss aufgenommen werden. Nichts wäre im Augenblick verhängnisvoller