Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Zur Lage
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 511 - 512 (sequence 4)
- Language
- German
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511 Nathanja Sahuwi: Zur Lage. 512 als eine planlose Auswanderung. Eine planmässige aber kann jetzt nicht eingeleitet werden, denn Mittel und Wege fehlen — und ein Ziel. So heisst es denn jetzt die Hungernden zu speisen, den Mut unserer östlichen Brüder zu stärken, die Niedergebeugten aufzurichten. Denn eine, dumpfe Verzweiflung hat sich unserer Brüder bemächtigt, und eine Erschlaffung der Hoffnung, dass ihnen im Osten einmal noch Ruhe werde, die entsetzlich ist. Es ist die heiligste Pflicht aller Juden des Westens, in Treue und Bruderliebe zu ihren Volksgenossen zu stehen, die für das Judentum, für uns leiden. In uns sollen sie materielle, vor allem aber eine moralische Stütze finden, um in ihrem schweren Kampf ausharren zu können. Wol kann es keinem Zweifel unterliegen, dass dieser Kampf nicht zum Siege führt. Allein, nicht um Niederlage oder Sieg handelt es sich hier. Denn selbst ein ertrotzter Sieg ist Niederlage. Das hat" die Juden des Westens eine hundertjährige Geschichte gelehrt. Jetzt ist Kampf Selbstzweck. Es gilt die Geister anzuspornen und immer neue Mutquellen aufzubrechen, mit immer neuen und festern Reifen die Volksgruppen aneinanderzuschmieden und das nationale PHichtbewusstsein durch kulturelle Anstrengungen zu steigern, damit das Leid unser Volkstum nicht zermorsche an Leib und Seele und all die Kräfte lebendig bleiben, die unsere eigene dereinstige Judenheimstätte zu einem Lande des Friedens, des Glückes und einem Zentrum der Gesittung machen sollen. Arbeiten, bis wir eine gesicherte Heimstätte haben — Ausharren, bis ein planmässiger Abfluss in diese gesicherte Heimstätte möglich ist: Das muss heut die Losung sein! * * ■* Am 23. August werden die jüdischen Volksvertreter, die sich unter dem heiligen Banner Zions gefunden und gesammelt haben, in Basel wieder zusammenkommen. Es ist der sechste Kongress. In den 7 Jahren, seitdem der Zionismus arbeitet, hat er von einer kleinen Gruppe her zu einer mächtigen und straffen Organisation geführt. Hat auch die Begeisterung seiner Getreuen die frohe Botschaft in ungebrochener und rastloser Tätigkeit allüberall in Juda verbreitet, so haben doch gerade in den letzten zwei Jahren die Verhältnisse gewaltig für den Zionismus agitiert. Die Judenheit ist reif geworden für den Zionismus. Vielleicht weil sich der Zionismus für die Judenheit ausgereift hat. Und man kann jetzt getrost sagen: Alljuda blickt mit Spannung und Erwartung auf diesen Kongress, und es ist keine Uebertreibung, dass er eine Zusammenkunft von Juden sein wird zu ernster, entschlossener Selbsthilfe, so umfassend, so bedeutsam, wie sie die Judenheit seit Jahrtausenden nicht gesehen. Töricht wäre es, zu erwarten, dass die zionistischen Führer uns schon jetzt vor das bereits erreichte Ziel stellen. Wir haben zu lange müssig gestanden, und der Arbeit ist noch viel. Aber wir hoffen, dass der Kongress neuen Mut, neue Schaffensfreude in ganz Israel hineingiessen werde, und dass jeder Delegierte sich seiner hohen Verantwortung bewusst bleiben wird, damit der Kongress ein Ruhmestitel in der Geschichte des erwachenden, selbstbewussten und zu neuem Eigenleben erstarkenden Judentums werde. Dann wird Such herrlicher die F>eimat blübn ]Hach Guer'm tausendjährig-dunklen SÖeb, Der Sonne zeigen wird sein fiermelin Der Libanon, sein fürstenhleid aus Schnee, tfahn Und in der Cederwipfel flüstern wehn UQLxrd nun ein neues, hehres fiobelied, Und durch die Cäler wird ein frübling gehn, 3Xte ihn im T>aume nur ein Dichter sieht. Und jede Seele wird voll Reichtum sein, Umrauscht von psalmenklang, von F>arfenlaut. Und ziehen in geweihte ©arten ein Ton Tonnen trunken: als /Jeno^a^raut* Breslau« Hrthur Silbergleit*