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Ost und West · 1903-07-01 · Heft 7 (Juli 1903) · p. Seite 479 - 480

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 7 (Juli 1903)
Article
Das Geld im jüdischen Sprichworte
Date
1903-07-01
Page
Seite 479 - 480 (sequence 3)
Language
German
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479 Binjamin Segel: Das Geld im jüdischen Sprichwort. 480 Wann freut sich Gott? Wenn ein Armer gefundenes Gut zurückerstattet. * * * Wann freut sich ein Armer? — Wenn er das Verlorene findet. Ein Emporkömmling hasst die alten Leute. Weil diese ihn noch als armen Teufel kannten. * * * Von einem geizigen Reichen und einem fetten Bock geniesst man erst nach ihrem Tode. Jeder Arme ist freigebig. * * * Arme Leute haben gute Herzen. * * * Der Satte glaubt dem Hungernden nicht. * * -* Hunger kennt kein Gesetz. Not bricht Eisen — Dalles (erbricht Schlösser. * * * An einem Armen kann man sich leicht versündigen. * * * Arme und Kranke haben stets die Oberhand. * * * Ein Reicher hasst Ehrenbezeugungen — gleich wie die Katze den Rahm. * * * Was würden die Reichen anfangen, wenn es keine Misrachwand gäbe? Die Ost- (Misrach) Wand in der Synagoge gilt als der vornehmste Platz und ist das Ziel des Ehrgeizes des Reichen, ähnlich wie Ehrenämter und dgl. * * * Einen reichen Vater begräbt man gern. B. SCHATZ. Reib dich an reichen Leuten — — und du bekommst ein Loch. *- * -* Wenn die Reichen kränken, sie der Armen gedenken. Sie spenden milde Gaben für sie. („Kränken" ----- kranksein.) Wann erquickt sich ein Armer? Wenn er in Ohnmacht fällt. Dann reicht man ihm nämlich Erquickungen. Wer da hat die Meoth, der hat die Deöth. „Meöth" Hunderte, Bankscheine; „Deöth" - Ansichten, Meinungen. Sinn: Wer Geld besitzt, der hat zu befehlen, dessen Ansichten dringen durch. -* * * Der Arme fürchtet keinen Dieb. * -K- -K Der Arme hat drei Hoffnungen. Entweder er wird einmal so reich, wie sein Nachbar, oder sein Nachbar wird so arm, wie er, oder aber, sie sterben beide als arme Teufel. * * * Der Eine hat keinen Appetit zum Essen, der Andere kein Essen SCHADCHEN. zum Appetit. * * * Arm sein ist wie gestorben sein, ader reich sein heisst noch lange nicht — leben. *- * * Arm und reich, liegen unter der Erde gleich — aber auf der Erde liegen die Reichen bequemer. * * * Am Ende isst der Reiche keine Dukaten und der Arme keine Steine zur Suppe. Isst ein Armer ein Huhn oder das Huhn. so ist er krank Lieber ein herabgekommener Reicher, als ein emporgekommener Armer. Sorgen und Kümmernisse sind leichter zu ertragen, beim vollen Magen. * * * Der Reichen Dummheit gilt mehr, als des Armen Klugheit. * * * Der Arme bezahlt seine Kartoffelsuppe teurer, als der Reiche seinen Braten. * * * Eine reiche Frau kann sich's leisten, zweimal im Jahre zu gebären. * * * Mit dem Gelde stopft man den Leuten den Mund.

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