Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1903)
- Article
- Das Geld im jüdischen Sprichworte
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 477 - 478 (sequence 2)
- Language
- German
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477 Binjamin Segel: Das Geld im jüdischen Sprichwort. 478 Wird ein Knauser freigebig, so gilt ihm ein Kahals Groschen ist ein Magnet, fremder Dukaten für nichts. „Kanal" die Gemeinde, die Oeffentlichkeit. * * So lange der Mensch lebt, ist alles für ihn So mancher goldne Becher ist voller Tränen, zu wenig, nach dem Tode hat er an einem Häuflein * * Staub genug. Wegen des Geldes (der Mitgift) wird kein Zu Häupten des Toten wird nach jüdischem gch'dduch auf eh ben Ritus ein kleines Säcklein Erde in das Grab gelegt. , .. . „Schidduch" Partie. -* Der weiteste Weg ist der zur Tasche Geld-Schidduchim (um des Geldes willen ge- Geldes-Dienst ist Götzendienst. schlossene Partien) haben keinen Bestand. •* •*■ * * * -* Geld hält sich nur im groben Sack. Mitgift und Kost dauern nur über die Frost'. Schlusspointe einer sehr hübschen humoristischen Die Eltern der Neuvermählten gewährten diesen Volkserzählung (von mir mitgeteilt in „Aus fremden ihrem Hause einige Zeit hindurch den ganzen Zungen", 1902, Heft 3). Lebensunterhalt; das nannte man „Köst". * * ¥r * * * Willst reich werden? — Sei sieben Jahr' ein Gold und Silber lässt man stehen, wenn Gott Schwein. befiehlt, von dannen zu gehen. * * * * * * „Spuck mir ins Gesicht, aber gieb mir Geld" — spricht der Habsüchtige. # Wer sein Geld nicht mit Jubel ausgiebt, giebt es mit Stöhnen aus. „Schwein! Hast Geld? Sei mein Gevatter!" * — spricht der Habsüchtige. Und ist der Dukaten noch so rot, du giebst Anstatt „Gevatter" heisst es im Original: ihn aus um's Stückchen Brot. „Mechuthan". * * * *- "* Hat der Geizige wenig Geld, ist er des Geldes In der Hölle kostet der 0chse einen Groschen> Knecht, hat er viel, ist er's erst recht. aber den Groschen hat keiner. * * * * * Vom Nichtnehmen ist noch keiner reich ge- Geld verloren, halb verloren; Mut verloren, worden. alles verloren. * * * B. Armut und Reichtum.1) Armut ist keine Schande — aber auch keine Leichter ist's, einem Betrunkenen, als einem besondere Ehre. Armen auf die Beine zu helfen. * * * * * * Armut und Faulheit sind Schwestern. Der Arme ist schlimmer dran, als der Tote, * * denn er hat die Augen offen. Armut schafft Unzuverlässigkeit. * * * * * * Unglück, wohin gehst du? — Zum armen Mann. Verwandte erkennst du, wenn sie reich werden. Vergl.: Baba kama 93a. Baba bathra 174a. * * ¥r * * Wenn die Armut sich zur Türe hereinschleicht, ßer Arme fällt auf den Rücken und schlägt entilieht die Freundschaft zum Fenster hinaus. sich die Nase platt. * -* * * * * Ein Armer gleicht einem löcherigen Sack (den Wann freut sich Gott? — Wenn ein Armer man nie anfüllen kann). dem Andern schenkt. * * * „ * * * tv ■—-— ,. . ,.. . . _ i. J t . - , Leichter ist's einen Berg, als einen Armen von I) Mehrere hierher gehörige Sprichworter verdanke ich der 07 freundlichen Mitteilung des Herrn Ignatz Bernstein in der Stelle ZU bringen. Warschau. *