Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1903)
- Article
- Das Geld im jüdischen Sprichworte
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 481 - 482 (sequence 4)
- Language
- German
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481 Binjamin Segel: Das Geld im jüdischen Sprichwort. 482 Mit Gold wäscht man den Bastard rein. Vgl. Kidduschin 71 a. * * * Was bei einem Reichen in den Winkeln vergessen wird, könnte mancher Arme sich wünschen, im Vermögen zu besitzen. * * * Ein herabgekommener Reicher und ein emporgekommener Armer gleichen sich noch immer nicht aus. * * * Anstatt eine reiche Köchin, heirate man lieber eine arme Haustrau. * * * Wenn zwei Arme tanzen wollen, springt an der Fiedel die Saite. Wenn eine arme Braut ein Tänzlein machen will, brauchen die Musikanten gerade auf die Seite. * * * Beim Armen wachsen die Kinder dichter. * * * Der Reiche trägt seinen Gott in der Tasche, der Arme im Herzen. * * * Der Starke behält immer Recht. Aschiruth macht Geviruth. „Aschiruth" Reichtum; „Geviruth" Uebermacht. * * * Wer kein Geld in der Tasche hat, frage nach dem Preis (einer ausliegenden Ware) nicht. C. Thalmudisch. Man schmeichelt nicht dem Reichen, sondern seinem Gelde. Die Teurung bekommt keiner so zu spüren, wie der Arme. * * -* Der Arme macht Teurung und Wohlfeilheit. Weil er zur Unzeit kaufen und verkaufen muss. * * ■* Arme Leute schlafen im Dunkeln. * * * Arme Leute haben hübsche Töchter. Der Arme und der Bucklige tragen ihre ganze Habe auf sich. * *- Dem Armen bläst der Wind immer in die Augen. * * * Armes Dach, was krachst du! * * * Man versetze das Hemd vom Leibe, um nur reich zu sein. Scherzhaftes Sprichwort, dessen Komik auf der contradictio in adjecto beruht. * *- * Dem Reichen steht alles hübsch zu Gesicht. ZUM GEDAECHTNIS STEINTHALS. Von Dr. Joseph (Stülp). Durch den im April dieses Jahres erfolgten Tod des Philosophen Moritz Lazarus wurden wir wie von selbst an den Freund und Schwager des Verstorbenen, Heymann Steinthal, erinnert, der bereits am 14. März 1899 aus unserer Mitte geschieden ist. Waren wir doch gewohnt, diese beiden Männer, die mehr noch als durch verwandtschaftliche Bande durch Gesinnungsfreundschaft miteinander verbunden waren, als die Unzertrennlichen stets nebeneinander zu nennen. Ein eigentümlicher Zufall hat es auch gefügt, dass gerade jetzt, am 16. Mai, die achtzigste Wiederkehr des Geburtstages Steinthal's sein Gedächtnis in unserem Herzen erneuert hat. Wie nahe standen sich doch Lazarus und Steinthal in ihrer ganzen geistigen Geartung und in ihrer Anschauung, die sie sich in gemeinsamer, Jahrzehnte langer Arbeit herangebildet hatten! Beide sind ethische Idealisten, beide gehen von der Psychologie aus, in der sie die SpezialWissenschaft der Völkerpsychologie begründet haben, beide haben einen tief religiösen Grundzug in ihrem Denken, warme Begeisterung für das Judentum, dessen Anschauungen sie mit ihrer Philosophie zu verschmelzen trachten. Beide hatten nicht nur erkannt, dass aller ethischer Idealismus in die Religion münde, ihre ganze wissenschaftliche Arbeit wurzelte vielmehr in starken religiösen Trieben. Wie bei Mendelssohn, so sollte auch bei ihnen von Hause aus die Philosophie der Befriedigung ihres religiösen Bedürfnisses dienen und ihre Wertschätzung des Judentums als berechtigt erweisen. Darin unterscheiden sie sich sehr wesentlich von allen anderen jüdischen Philosophen seit Mendelssohn. Wie kühl und gleichgültig steht Markus Herz dem Judentum gegenüber, wie nüchtern Lazarus Bendavid! Als überwunden wie alle Religion betrachtet Salomon Maimon das Judentum, und Julius Frauenstädt