Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1903)
- Article
- Die größte Schule der Welt
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 471 - 472 (sequence 2)
- Language
- German
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471 E. D. Bernhard: Die grösste Schule der Welt. 472 wollten, zahlreicher, sodass noch weitere sechs Klassen unbedingt notwendig wurden. Aber die Zahl der Schüler wuchs immer mehr. Der gewaltige Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in London stellte immer grössere Anforderungen. Im Jahre 1865 wurden wieder Erweiterungen notwendig. Damals wurden 15 neue Schulräume erbaut, und als diese vollendet waren, schien es, dass die Ausdehnung der Schule nun die äusserste Grenze erreicht habe. Trotzdem wurde sie immer wieder vergrössert. Im Jahre 1883 wurde der Andrang wieder so gewaltig, dass das Schulkomitee beschloss, einen ganz ausserordentlichen Schritt zu thun. Die ganzen Gebäude wurden niedergerissen und in viel grösserem Massstabe mit einem Riesenaufwand an Kapital wieder aufgebaut Natürlich trug die Familie Rothschild auch sehr viel zur Vervollkommnung des Unternehmens bei. Zum Dank lür die grosse Hilfe, zu Ehren des Präsidenten der Schule, Lord Rothschild, stiftetete die jüdische Gemeinde eine Summe von £ 20 000 also M. 400 000 für einen neuen Flügel, der den Namen „Rothschild VVing" führt. Dieser Flügel enthält eine Reihe ganz besonders schön eingerichteter Schulräume, einen gewaltigen Arbeitsraum und ein Laboratorium für chemische Experimente; ferner eine riesige Turnhalle und andere Räumlichkeiten zum Besten der Schüler. Während des letzten halben Jahrhunderts ist eine Summe von £ 100 000 also über XL 2 000 000 für Erweiterungen dieser Schule ausgegeben worden. In derselben befinden sich 44 Schulräume für Knaben und 27 für Mädchen. Jeder Raurh ist nach Laboratorium. (Zum Artikel „Die grösste jüdische Schule"). Fussball. (Zum Artikel: „Die grösste jüdische Schule".) den modernsten Prinzipien eingerichtet, und da sie alle gross und luftig und sehr gut ventiliert sind, ist der Gesundheitszustand in der Schule ein ausgezeichneter. Als Beweis dafür mag angeführt werden, dass die Schule niemals infolge einer Epidemie geschlossen zu werden brauchte, und das will viel sagen bei einem so gewaltigen Gebäude, das über 2 Morgen Land bedeckt, soviel Menschen beherbergt und in dem ungesundesten Teile unserer Riesenstadt liegt. Mr. Louis B. Abraham steht seit 49 Jahren der Schule als Direktor vor, unter ihm stehen 68 Lehrer; und Miss B. Abadi, die Hauptlehrerin, hat einen Stab von 48 Lehrerinnen um sich, welche die Aufgabe haben, 1500 Mädchen zu unterrichten. Der Unterhalt der Schule kostet jährlich ungefähr an M. 250 000. Sie wird durch Schenkungen, Unterstützungen der Regierung und durch die öffentliche Wohltätigkeit aufgebracht. Das System, nach dem unterrichtet wird, ist ein zweckdienliches, und die Erfolge sind daher auch im Verhältnis grösser als in anderen Schulen. Trotz der ungeheuren Ausdehnung der Schule ist es doch noch immer nicht möglich gewesen, alle Kinder aufzunehmen, für die um Aufnahme gebeten wird. An solchen Tagen, wo neue Aufnahmen von Schülern und Schülerinnen stattfinden, bietet Belle Lane ein Bild, das einer Beschreibung durch einen Zola wohl wert gewesen wäre. Die Eltern stehen dort stundenlang in banger Erwartung und diskutieren in aufgeregtem „Yiddish" ihre Ansichten. Die Schwierigkeiten, welche die Lehrer mit ihren Sprösslingen haben, sind ungeheuer gross, kommt es doch oft vor, dass die Kinder nicht ein