Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1903)
- Article
- Die größte Schule der Welt
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 473 - 474 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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473 E. D. Bernhard: Die grösste Schule der Welt. 474 Speisesaal mit dem Direktor der Schule. (Zum Artikel „Die grösste jüdische Schule".) einziges Wort Englisch verstehen, und das muss der Schüler natürlich erst lernen, ehe er dem Unterricht zu folgen imstande ist. Trotzdem ist es der Schule gelungen, viele hervorragende Männer zu erziehen, und besonders stolz ist man darauf, dass sämtliche Lehrer, die heute an der Schule angestellt sind, früher auch Schüler derselben waren. Sie sind also in der Lage, am besten zu verstehen, was ihre Z(3glinge brauchen. Andere Schüler der Schule bekleiden heute in den Kolonien bedeutende Stellungen. Viele von ihnen sind Direktoren grösserer Schulen; auch bekannte Schriftsteller sind aus ihr hervorgegangen. In der Schule wird natürlich der Ausbildungsgang, wie er von dem englischen Unterrichtsministerium vorgeschrieben ist, genau befolgt, und ausserdem werden wöchentlich noch acht bis neun Stunden auf den Unterricht in jüdischer Geschichte und Litteratur verwandt. In dem grossen Arbeitsraum lernen 400 Knaben die Tischlerarbeit, und ihre Produkte zeigen, dass die Mühe, die man auf diesen Zweig des Unterrichtes verwandt hat, durchaus nicht vergeblich gewesen ist. In dem sorgfältig eingerichteten Laboratorium beschäftigen sich 60 Knaben mit Chemie und Physik. Vor einiger Zeit wurde in der Schule ein so genanntes Kadettenkorps eingerichtet, und die dazu gehörenden Knaben, die eine Art Uniform tragen, werden in Gewehrübungen und dgl. unterrichtet. Zu dem Korps gehört auch eine kleine Kapelle. Dieses Kadettenkorps war übrigens das erste, das in einer Elementarschule Englands gegründet wurde, und seitdem ist dieses Beispiel in den meisten Schulen befolgt worden. Auch Freiübungen werden auf dem für militärische Zwecke bestimmten Hof abgehalten. Uebrigens ist dieser Hof der grösste Schulhof, den es in England giebt. Natürlich hat die Schule auch ihren Fussball- und Krickettklub. Oben auf dem Dach eines der Gebäude befindet sich ein Spielplatz, der 120 Fuss über der Strasse gelegen ist wodurch es den Kindern ermöglicht wird, in den freien Stunden wirklich frische Luft zu atmen. Für die Mädchen ist eine Kochschule eingerichtet, in der sie von erfahrenen Lehrerinnen in allen Zweigen des Haushaltes unterrichtet werden. Die Hauptlehrerin, Miss Abadi, hat ferner einen Klub gegründet, der den Zweck hat, die Mädchen, welche die Schule verlassen, in Verbindung mit der Schule zu erhalten. Ausserdem ist die Einrichtung getroffen, dass ihnen durch den Klub Stellen etc. vermittelt werden. Alle 14 Tage finden sogenannte „glückliche Abende" statt, zu denen eine Anzahl Kinder eingeladen werden. Viele Herren und Damen der Gesellschaft kommen dann hin, um mit den Kindern zu spielen und das ihrige dazu beizutragen, die Kleinen glücklich zu machen. Abgesehen von Allem, was die Schule den armen jüdischen Kindern des weiten Ostendes von London in erzieherischer Hinsicht bietet, bekommen diejenigen, die am bedürftigsten sind, auch noch viele andere Geschenke, wie z. B. Kleider, Stiefel, freies Frühstück und Mittagessen u. dergl. mehr. Alles das geschieht hauptsächlich auf Kosten des Präsidenten der Schule, des jeweiligen Lord Rothschild, des Hauptes der Familie, die schon seit vier Generationen so Der Saal zur Zeit eines Festes. (Zum Artikel; „Die grösste jüdische Schule".)