Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1903)
- Article
- Zur Psychologie des Renegatentums
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 457 - 458 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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. j'J'-*-- MAX LIEBERMANN. sind. Ja, sie hassen im Grunde beide. Dem Judentum können sie es nicht verzeihen, dass es nicht die Religion des Adels und der „Vornehmheit" ist, und das Christentum hassen sie, weil es sie zwingt, diesen tragikomischen Schritt zu tun. Die alte Gemeinde, aus der sie austreten, hat mehr Ursache, den Verlust zu verschmerzen, als die neue, der sie beitreten, sich über den Gewinn zu freuen. Und doch besteht eine Gefahr für die Gesamtheit, der sie bisher angehört haben, und für die, zu der sie sich jetzt bekennen. Denn sozial und im äusserlichen Leben merkt man wenig von der vollzogenen Trennung. Sie sind kranke Glieder, die nicht amputiert wurden und die mit dem Körper weiter geschleppt werden. Sie bleiben meistens Glieder jüdischer Familien, behalten die Beziehungen zu den alten Bekannten und Verwandten, und sie verseuchen durch ihren Verkehr alles, womit sie in Berührung kommen, sie töten alles Grosse und Ganze und verderben den Charakter. Es bildet sich so ein Halb- und Vierteljudentum, ein Pseudo- und Scheinjudentum WEIB MIT ZIEGEN. heraus, man weiss nicht recht, w a s man ist und warum man es ist, man ist nirgends zu Hause, man ist nirgends mit ganzem Herzen. Es entsteht ein krankes, faules Ding, nicht Fisch und nicht Fleisch, nicht kalt und nicht warm, ein etwas, das entwurzelt ist, den Boden verloren hat und in der Luft hängt. Hier kann kein Ideal gedeihen, nichts Grosses und Gäpzes entstehen, weil alles Nebel, Dunst und Lüge ist. Und weil die feste Abgrenzung fehlt, greift dieses Uebel um sich und erzeugt eine gefährliche Atmosphäre. Das ganze Milieu hat etwas. Verlogenes, Unreines, Bizarr- Komisches, Perverses an sich, dass der feinere, innerlich reine Mensch sich mit Ekel aus diesem Kreise flüchtet. Es ist hier ein unerschöpflicher Quell zum Studium des Komischen, und man könnte Possen darüber schreiben, wenn die Sache nicht gar so tragisch wäre. Diese Komödie ist vielseitig und hat viele Nüancen. So gehört es, namentlich in Süddeutschland, zum guten Ton, wenn man eine Anzahl von Millionen und einen hohen Grad von „Vornehm-