Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1903)
- Article
- Eine Apologie des Judentums
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 441 - 442 (sequence 5)
- Language
- German
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441 A. D. Bender: Eine Apologie des Judentums. 442 man sie dem Judentum absprechen — und so belehrt uns Herr B., dass man solches „bei den Rabbinen nirgends findet". Es ficht ihn aber nicht an, dass der Talmud folgende Lehren vorträgt: „Wer ohne Gattin lebt, der weilt ohne Freude, ohne Segen, ohne Güte", „Ist es nicht die Gattin, die des Mannes Augen erhellt und ihn auf die Füsse stellt?", „Der Reichste unter den Reichen ist, wem eine edle Gattin zuteil geworden", „Gottes Segen fliesst auf das Haus herab nur ob der Verdienste der Frau", „Wahrhaftigen Seelenfrieden findet das Weib nur im Hause des Gatten", „Es giebt in der Welt nichts besseres als eine gute Frau", „Die Gattin liebe wie dich selber und ehre sie mehr als dich selber", „Wer eine Frau um ihrer Mitgift willen heiratet, der bekommt missratene Kinder", „Wem die Gat- * tin stirbt, vor dessen Augen verdunkelt sich die Welt, seine Schritte werden wankend, seine Pläne zerrinnen in Nichts", „Nach einem jedenVerlust kann ein Mann sich trösten, nur nicht nach dem der Jugendgenossin", „Wem die erste Frau stirbt, der hat gleichsam die Zerstörung des Tempels erlebt", „Gott hasst den, der seine Gattin scheiden lässt", „Gott gab den Fra.uen feineren und zarteren Takt als den Männern", „Die Frau gleicht einem unvollendeten Instrument und schliesst einen ewigen Bund nur mit dem Manne, der sie vervollkommnet" (sie widmet ihre ganze Liebe nur dem, der ihr den Stempel seines Geistes aufdrückt — wohl die sublimste Auffassung der Geschlechtsliebe!) „Es giebt vier Arten von Eheschliessungen: der Eine freit des Genusses wegen, der Andere des Geldes, der Dritte des B. SCHATZ. Ehrgeizes wegen, der Vierte, um eine sittliche Pflicht zu erfüllen; der Erste hat entartete Söhne, der Zweite endet damit, fremde Gnade in Anspruch nehmen zu müssen, dem Dritten ersteht aus der Familie der Frau einer, der seine Nachkommen demütigt; dem Vierten aber entsprossen Kinder, die Israels Helfer und Vorkämpfer werden." All das und noch vieles ähnliches steht im Talmud. Tut nichts! Bei den Rabbinen darf sich keine tiefere sittliche Auffassung der Ehe finden. Wenn aber Paulus, dieser schärfste Gegner desrabbinischen Judentums, seine bekannte Epistel gegen die Ehe . schreibt, oder den Frauen empfiehlt, der Engel wegen ihre Häupter zu verhüllen, so versichert uns Herr Bousset, dass „hier die rabbinische Anschauung vom Weibe und Unterschätzung der Ehe noch nachwirke" . . Heroismus, machtvoller Schwung, weltüberwindende Üpferfreudigkeit, unerschrockener Mut sind Elemente einer höheren Sittlickeit. Selbstverständlich müssen sie darum den Nachkommen der Jesaias, Jeremias, JOCHEBED (MUTTER MOSIS). T A 1 Jona, Arnos Irischweg abgesprochen werden. Natürlich. Es war ja kein Heroismus, das grossartigste und furchtbarste Martyrium zu tragen, welches die Menschengeschichte kennt; es ist kein Heroismus, wenn Unzählige freudig in den Tod gehen, „um den Namen Gottes zu heiligen", wenn gelehrt wird: „liebe deinen Gott, auch wenn er deine Seele nimmt", „man muss jede Stunde bereit sein, sein Leben für die Gebote Gottes hinzugeben". Sogar die Forderung der Wahrhaftigkeit, die Fähigkeit zur Sammlung und Andacht, die Weltfreude, kurzum alles, was im sittlichen und