Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1903-06-01 · Heft 6 (Juni 1903) · p. Seite 389 - 390

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 6 (Juni 1903)
Article
Max Liebermann
Date
1903-06-01
Page
Seite 389 - 390 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2583904-2583911-2587257--02938-2587342
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

389 Georg Herman: Max Liebermann. 390 ftvv--; \i*yr^ r-*lr.«--■ 'Ü&q p^-m0W% toL^^TT^ MAX LIEBERMANN: DER WINTER. DEKORATIONSGEMAELDE (1898—1899). Vorkehrung des Hässlichen darin, einen der Kunst unwürdigen Vorwurf, und vor allem war man wohl dadurch chokiert, dass hier es weder zu lachen noch zu weinen gab; nur feine Ohren hörten das, was hier erzählt wurde, nur feine Augen sahen etwas davon. Die Schilderung seelischer Affekte, jenseits des Gleichmasses, liegt der Liebermannschen Kunst fern. Jung lernt Liebermann, der vorsichtig in der Wahl seiner Eltern gewesen ist, das Ausländ und dessen Kunst kennen, Paris, vor allem aber Holland. Holland wird die eigentliche Heimat seiner Kunst, denn hier findet er das, was seiner Anlage, seinem Temperament entgegenkommt, eine starke, schmucklose Schönheit ohne jede Sentimentalität, die spröde ist, geliebt und umworben sein will, ehe sie sich uns erschliesst. Man hat ihm diese Liebe für holländische Motive und holländische Luft mit der silbernen Tonschönheit oft zum Vorwurf gemacht, als undeutsch, aber der Maler hat in seinen Werken, so spezifisch sie auch sein mögen — das wird selbst von holländischen Künstlern wie Jan Veth bestätigt — , so sehr das allgemein Menschliche betont, ist mit solcher einheitlichen Kraft auf das Leben an sich zurückgegangen, dass das nationale Kolorit dem gegenüber ganz irrelevant wird, für den Maler giebt es nur eine Note, den Künstler in ihm berührt es nicht. In dem „Runkelpark" von 1876 ist der erste Versuch des Freilichts; aber hierin liegt nicht die Bedeutung des Werkes, sie liegt in dem Zug von Grösse in den arbeitenden Menschen, in dem Zusammenklang des Menschen mit MAX LIEBERMANN. (SCHLOSS KLINK.) der Natur; dieser Zusammenklang hat Liebermann immer wieder beschäftigt, und er hat in späteren Schöpfungen, den „Netzflickerinnen, den Mann in den Dünen, Frau mit Ziege, einen monumentalen Ausdruck dafür gefunden, wie ihn kein anderer ausser Millet und vielleicht Segantini an Kraft erreichte oder übertraf. Schon im gleichen Jahre zeigt sich Liebermann als Kinderschilderer, und nirgends tritt seine Begabung reiner hervor als hierin. Das sind wirklich echte Kinder, nicht in der Absicht gesehen, sich über sie zu belustigen, süsse kleine Affen von bewusster Koketterie, sondern kleine Pausbacken, die ernsthaft und putzig zugleich dahindämmern in einem traumhaften Halbbewusstsein. Eine Kleinkinderschule forderte geradezu zum Vergleich mit Knaus und den andern heraus. Während manche Impressionisten das Kind wie eine Blume geben, ein farbiges hübsches Ding, das im Licht interessant ist, hat Liebermann zu viel stille Achtung vor dem Menschen und dem Leben, um in ihm nur ein Objekt zu sehen. Um 1880 herum hat Liebermann schon ganz seinen Stoffkreis gefunden; das Erdige im Ton ist verloren, und ein feines Silber der Luft bindet die Töne, das Licht ist weisslich, formt und umspielt die Dinge, der Himmel, meist fein, gleichmässig grau, in leiser Abstufung, sendet eine gleichmässige stille Helligkeit herab. Der Vortrag ist schon oft zu einer altmeisterlichen Breite gediehen. Wenn wir heute die Gemälde jener Zeit betrachten, so erscheinen uns manche ein wenig konventionell im Colorit, die Lichter sind aufgesetzt, sitzen STUDIE ZU „HIOB". nicht darin (Strumpfstopfe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.