Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1903)
- Article
- Max Liebermann
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 387 - 388 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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387 Georg Herman: Max Liebermann. 388 DEKORATIONSGEMAELDE (1898—1900). wenn es köstlich war, dann ist es Müh' und Arbeit gewesen — das sind Züge, die von vornherein in seinem innersten Wesen liegen. Aber es ist eine merkwürdige, aus der Kunstgeschichte oft bewiesene Thatsache, dass der Künstler, der uns wie Liebermann etwas Neues, Starkes und Eigenes zu sagen hat, im Suchen nach den Mitteln die Grenzen der Malerei erweitert, die Farbe, das Räumliche, die Kraft der Zeichnung ein Stück weiterschiebt, kurz die Verbildlichung — und um die dreht es sich in der Kunst — steigert. Es sind Dinge, die zusammengehören, rechts und links, eine Schlange, die sich in den Schwanz beisst, ein circulus vitiosus, ein Gesetz, dass die neuen seelischen Probleme stets vor neue künstlerische Probleme stellen. Man kann von dem einen nicht sprechen, ohne das andere mitzunennen; äusserlich mag es sich darstellen als Raum, Licht, Farbe, Luft, Bewegung, Plastik, Konstruktion, Fleckenverteilung, und innerlich bedeutet es ganz etwas anderes; Rembrandts Farbe, sein Helldunkel, seine Zeichnung und seine neue Empfindungstiefe — das ist eines nur. Aber während das eine als Empfindungswert sich der Unmünzung in Worte entzieht und man nicht gern darüber spricht, kann man dem andern näher kommen, und es ist nicht gar so unwichtig, denn von ihrer Kraft, Wirkung und Höhe geht der sinnliche Reiz der Kunst aus. Es ist doch ganz gleichmütig, meint der Leser, von welcher Seite oder von welchen Seiten das Licht kommt, das ist Sache des Künstlers, was kümmert's mich? Ob das MAX LIEBERMANN. (Für „Ost und West" gezeichnet.) (SCHLOSS KLINK.) Bild hell oder dunkel im Gesamtton, ob es draussen vor der Natur oder im Licht des Ateliers gemalt ist, ob die Illusion des Räumlichen ganz oder mangelhaft erreicht ist, — all das sind Aeusserlichkeiten, Nebendinge, das kann vielleicht den Maler interessieren, doch was brauche ich davon zu wissen? — und er begreift nicht, dass in all diesem untrennbar ein geheimer Sinn verborgen ist, dass um etwas anderes gekämpft wird, das hinter dem liegt. * * * Ein Bild von ähnlichen Qualitäten und gleichen Problemen sind die Konservenmacherinnen, die in zwei Fassungen existieren. Die Typen sind feiner analysiert, reicher, der Raum ist besser gegeben. Vor allem ist aber eine Steigerung in der Bewegung. Keiner kann wieder wie Liebermann arbeitende Hände und Arme malen, jedes Tempo der Bewegung; ruhig, fest, hastig, zitternd, langsam, mühsam, bewusst, halbbewusst; seine ganze Kunst stellt sich als eine stete Steigerung und Verfeinerung der Bewegungsmotive dar. Er malt selten oder nie reine grob besonnte Flächen, sondern stets huschende Sonnenlichter, Licht in Bewegung, er hat ein Bild wie die „Frau in den Dünen" nur auf Zug und Gegenzug komponiert, er ist in den letzten Bildern, wie Reiter am Strand, den Tennisspielern, den Polospielern, zu den kühnsten Bewegungsproblemen fortgeschritten. Diese ersten Bilder entfachten einen Entrüstungssturm. Um ihn zu verstehen, müssten wir heute noch einmal zurücklernen. Man sah eine Herftf-;,?*' "~ --^^T /UuLC^ SKIZZF.