Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1903)
- Article
- Max Liebermann
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 381 - 382 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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881 Georg Herman: Max Liebermann. 882 das" hinzukommt, eine Eigentümlichkeit der Person, indirekt der Rasse, nicht mehr; sonst nehmen die Arbeiten des Künstlers in der Entwickelung der modernen Malerei, in der Geschichte des Impressionismus eine bestimmte Stelle ein, wir sehen in ihnen ein Fortschreiten, sehen fremde Einflüsse, welche sie nach einer neuen Seite lenken, — kurz, es sind gute Bilder, welche im letzten Drittel des 19, Jahrhunderts gemalt wurden, und dessen Wollen und künstlerische Ziele bezeichnend zur Geltung bringen. Bei dem einzelnen Werk mag man nichts davon empfinden, dass ein Künstler jüdischer Herkunft es geschaffen hat, und es wird hier keineswegs weiter davon die Rede sein. Vor dem Gesamtbild Liebermanns aber erkennen wir, dass charakteristische Züge seiner Persönlichkeit tief im Wesen der Rasse begründet sind. Die häufigen üblen Eigenschaften des jüdischen Künstlers aber — eine gewisse peinliche Sentimentalität, e-ine Liebe für Posieren und einen wenig intimen Natursinn — besitzt Liebennann nicht, sodass selbst ein durchaus judenfeindlich gesinnter Beurteiler einmal auf ihn als den deutschesten unserer Künstler hinweisen konnte. Liebermann beweist damit, dass diese Eigenheiten der Rasse mehr angewöhnt als mitgegeben sind, oder sich jedenfalls leicht verlieren können. * * * Es ist viel, es ist sehr viel, es ist sogar noch mehr über Liebermann geschrieben worden in dem letzten Jahrzehnt und schon vordem. Beachtung hat er von Anfang an sich verdient, von den „Gänserupferinnen" an, also von 1872. Er hat sich sehr schnell selbst gefunden, und Freunde wie Gegner haben sich bemüht, seine Eigenart zu deuten. Er hat nie im Schatten gestanden. Und deshalb ist es so schwer und undankbar, über ihn Neues sagen zu wollen, wie es leicht und dankbar ist, Altes zu wiederholen. Ueber Liebermann's Schöpfungen und ihn selbst lassen sich wohllesliche Feuilletons schreiben, und ein poetisches Gemüt kann im Nachmalen seiner schlichten Schönheiten sich voll und ganz genugtun. Auch ist es zu empfehlen, die Zornesmiene aufzustecken, von ihm an den Beginn der Kunst zu datieren, ihn in Gegensatz zu andern Früheren oder Gleichstrebenden zu bringen, ihn als Ueberwinder der Anekdotenmalerei zu preisen. — Eine künstlerische Entwickelung für ihn festzustellen ist gleichfalls ratsam.