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Ost und West · 1903-06-01 · Heft 6 (Juni 1903) · p. Seite 379 - 380

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 6 (Juni 1903)
Article
Max Liebermann
Date
1903-06-01
Page
Seite 379 - 380 (sequence 2)
Language
German
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379 Georg Herman: Max Liebermann. MAX LIEBERMANN. OEI.GEMAELDE. IN DER SCHUSTERWERKSTATT. der Vorstellung. Der spielerische Zug im reinsten Sinne fehlt dem jüdischen Temperament; Gebilde, die spielend geschaffen werden, fast unbewusst sich loslösen, rein in dem kristallenen Spiegel erscheinen, kennt es nicht; aber auch nicht die Beschränkungen, welche diesen Werken anhaften. Seine Kunst ist ein ewiges Wollen, Ringen und Vorwärtsschreiten, ein Kämpfen um die Verbildlichung, um das Bannen des Lebens in seiner ganzen, flüchtigen Festigkeit; sie ist nie sich selbst genug und zeigt immer neue Möglichkeiten; sie kennt nicht das landläufige Zeichnen, das Einfangen der Formen in eiserne Konturen, eine ruhige, korrekte Kalligraphie, sie meidet das Knechtische des Formalen, das nui zu leicht zur Starre und Langeweile führt, — aber sie versucht dafür temperamentvoll dem Leben nahe zu kommen. Die Werke eines Liebermann verraten eine ungewöhnliche Anspannung der Nerven, die eines Leibi eine aussergewöhnliche Festigkeit der Muskeln. Das, was man technisches Können in beschränktem Sinne nennt, fehlt jüdischen Künstlern meist. Israels sagte, dass es ausser Millet und ihm niemand gäbe, der so wenig malen und zeichnen könne und dabei so gute Bilder gemacht hätte. Eine kalte, virtuose Geschicklichkeit der Hand mit Stift und Pinsel ist dem jüdischen Temperament nicht eigen, eher kann man es unbehilflich nennen. Bei manchen jüdischen Künstlern, die uns vielleicht etwas zu sagen haben, wirkt diese Unbehilflichkeit störend, ihre Sprache mag herb und markig sein, aber sie ist unschön und gequält. Auch an die Sprache eines Liebermann, eines Israel, hat sich erst die Zeit gewöhnen müssen, als an eine hastige, temperamentvolle Uebersetzung der Natur, die aller konventionellen Schönheit bar ist, aber zu neuen Schönheiten führt. Der Unterschied zwischen Zeichnerischem und Malerischem ist aufgehoben, der Pinsel hat so gut zu zeichnen, wie der Stift zu malen, man malt, indem man zeichnet, zeichnet, indem man malt; nicht Linien komponieren, sondern hell und dunkel; nicht Ruhe giebt es, sondern einzig Leben, tc/zvtgj $ä — alles fliesst; Licht und Luft geben selbst dem Leblosen ewige Wandlung. Ein weiteres Charakteristikum des jüdischen Temperamentes in der Malerei ist bei den Besten ein ungewöhnlich geschärfter und bis ins letzte verfeinerter Tonsinn, ein Sinn für die Farbwerte. Starke Koloristen mit der Liebe für helle, leuchtende Werte sind sie nicht; auf allen Bildern eines Israels herrschen Dämmerungstöne, und reine, breite, besonnte Flachen, helle Tonfolgen finden wir erst in den allerletzten Jahren bei Liebermann. Aber als letzte und stärkste Grundeigentümlichkeit der Rasse möchte ich einen im vornehmsten Sinne biblischen Zug ansprechen, die Liebe zu einer grossen, poetischen Schlichtheit, eine wirklich alttestamentarische Einfachheit der Vorwürfe, ein heiliger Ernst, der das Leben in seinen einfachsten Formen und Verrichtungen liebt und künstlerisch verklärt. Gerade diese Züge geben der Kunst eines Liebermann eine rassige Bestimmtheit und Geschlossenheit. Wenn sie in ihrem ganzen Wollen und Empfinden nicht etwas Neues und Fremdartiges in sich getragen hätte, wäre sie wohl schwerlich von Beginn an auf so energischen, ja bösartigen Widerspruch gestossen. Hiermit sind die rassentypischen Züge der Liebermannschen Kunst umgrenzt; es ist ein gewisser Accent, eine bestimmte Note, die uns sagen, dass ein jüdischer Künstler, ja, die stolzeste und schönste Kristallisation der Rasseneigenschaften diese Werke geschaffen hat; ein feiner, kaum merklicher Unterschied trennt sie im Innersten von den Arbeiten seiner Zeitgenossen. Es ist ein Etwas, MAX LIEBERMANN. OELGEMAELDE (1882). ALTE STRUMPFSTOPFERIN.

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