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Ost und West · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. Seite 343 - 344

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
Die bildenden Künste im jüdischen Kultus
Date
1903-05-01
Page
Seite 343 - 344 (sequence 5)
Language
German
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343 Felix Fe Licht wanger: Die bildenden Künste im jüdischen Kultus. 344 und Louis XVL, sogar Jesuitenstil sind vertreten, wirklich jüdisches Gepräge suchen Sie vergeblich. Nicht einmal zweckentsprechende Betpulte für die Gemeinde weisen die neueren Synagogen auf. Man sollte doch wenigstens ein richtiges Sefer unterbringen und auflegen können. Statt dessen bedienen wir uns schmaler Schreine, äusseriich den Betschemeln katholischer Kirchen nachgebildet. Ich würde mir eine Synagoge, welche das Gepräge jüdischen Kultus tragensoll, ganz anders vorstellen. Vielleicht verstünde es ein begabter Architekt, in den äusseren Umrissen dem Tempel in Jerusalem zu folgen. Vom salomonischen Hause sind uns alle Details erhalten. Wir wissen, dass es Erdgeschoss und zwei Stockwerke enthielt, und dass das darüber befindliche Stockwerk das darunter befindliche jeweils überragte. Es wird berichtet, dass eine Freitreppe zum ersten Oberstock emporführte, und der erste Oberstock mit dem zweiten durch eine Innentreppe verbunden war. Wir hören, dass sich die Fenster in gerader Linie gegenüberstanden, dass sich vor der Tempelhalle ein Säulengang mit Portal befand. Die Säulen werden uns beschrieben. Sie waren ausgebaucht und trugen als Kapital eine Lilie, auf welcher sich mehrere kassettierte Knäufe befanden, die in Granatäpfel endeten. Eine Säule, die allerdings dieser Schilderung nicht entspricht, wird in der Peterskirche in Rom als Beutestück der Römer gezeigt. Das Motiv dieser Säule hat Michel Angelo in der Peterskirche selbst in nebenstehender Weise verwertet. Es werden uns die Drehthüren in Form von Palmblättern beschrieben, kurzum, ein tüchtiger, erfindungsreicher Architekt fände eine genügende Anzahl Anhaltspunkte, um ein Gotteshaus in Anlehnung an den Salomonischen Tempel, zu bauen. Freilich, allzu ähnlich dürfte der Neubau dem Originale nicht werden. Nicht nur aus den bereits genannten rituellen Gründen, welche die genaue Nachahmung des Tempels verbieten, sondern vor allem im Hinblick auf das kostbare Material. Und nun lassen Sie mich schildern, wie ich, der ich dem erwähnten erfindungsreichen Architekten leider fernstehe, mir ein modernes jüdisches Gotteshaus vorstelle, welches allen Anforderungen des Kultus und der Bequemlichkeit entsprechen soll. Auf polygonalem Grundrisse erheben sich Säulen, in ihren Formen dem Vorbilde aus dem Tempel entnommen. Diese Säulen, in jeder Ecke des Polygones Eine, tragen eine Galerie mit zierlichem Geländer, über welcher sich, gleichfalls säulengetragen, ein Dach, als hohe Calotte geformt, mit grosser Laterne erhebt. Die Felder zwischen den Säulen sind in lebhaften Farben gehalten, in der Mitte jedes Feldes befindet sich in einem vergoldeten Medaillon in Stuck oder Malerei ein Bibelvers oder eines der bereits erwähnten Symbole aus Jakobs Segen oder Aehnliches. Das Tageslicht fällt durch die Laterne und einen unter der Galerie hinlaufenden schmalen Gürtel von Fenstern ein. Der ganze Raum würde von Gängen umschlossen, welche durch zahlreiche Türen mit dem Inneren der WANDARM. Synagoge in Verbindung stehen und die Garderoben, ein unumgängliches Erfordernis bei mehrstündigen Gottesdiensten, aufnehmen würden. In der Mitte des Raumes stünde der Almemor, gleich dem Tempelaltare in drei Abstufungen ansteigend. Die unterste Stufe, zur Vornahme von Nebenhandlungen, wie Auf- und Zurollen der Thora, Aufstellung der geschlossenen Thorarollen u. s. w. bestimmt, würde ich als Balustrade gestalten. Daran sollte sich, als zweiter Absatz nach vorn ausladend, eine reichgeschnitzte Kanzel schliessen, und diese sollte ein gleichfalls geschnitzter Kuppelbau überragen, welcher den Schulchon enthalten würde. Letzteren würde ich unter Anlehnung des Tisches aus der Stiftshütte gestalten. Zum Oron, an der Ostseite des Polygones, der Kanzel gegenüber, sollte eine doppelte Freitreppe emporführen. Ein dunkelroter oder dunkelblauer Vorhang, zeltartig drapiert, würde in reicher Stickerei Widmung oder' die mehrfach erwähnten Symbole tragen. Die Anordnung der Betpulte wäre, den Linien des Polygones folgend, um den Almemor zu treffen, doch wäre Sorge zu tragen, dass sich die Betenden auch gegen Osten wenden können. Zur künstlichen Beleuchtung würde ich an den Säulen und am Almemor Wandarme anbringen, vielleicht Menorahs mit der besprochenen doldenförmigen Gruppierung der Arme. Gold und Farben würde ich, vorausgesetzt; dass mir ausreichende Mittel zur Verfügung stünden, nicht sparen und die beim Bau sich allenfalls ergebenden Erübrigungen würde ich für reichen Arabeskenschmuck verwenden. Wenn ich dies

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