Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Die Lewaja
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 335 - 336 (sequence 5)
- Language
- German
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335 336 TITUSBOGEN IX ROM. BEUTESTÜCKE DER RÖMER AUS JERUSALEM. DIE BILDENDEN KUENSTE IM JUEDISCHEN KULTUS. Von Felix Feuchtwanger (München) Herr Direktor Frauberger erzählt im Vereine zur Erhaltung jüdischer Kunstdenkmäler, auf welche Weise er die Anregung empfing, sich mit jüdischer Kunst zu befassen. Auf der Suche nach einem Motive zu einem Grabgitter mit jüdischen Emblemen machte er die Wahrnehmung, dass das Düsseldorfer Museum neben Schätzen aus allen deutschen, italienischen, französischen und spanischen Kunstepochen zwar Erzeugnisse der arabischen, indischen und chinesischen Kunst berge, aber kein Werk jüdischen Kunstfleisses aufzuweisen vermöge. Herr Direktor Frauberger hat sich hierüber höchlichst verwundert und beschlossen, die Lücke in seinem kunsthistorischen Wissen und im Bestände des Museums schleunigst auszufüllen. Er fing zu studieren und zu sammeln an und hat gewiss manch künstlerisch wertvolles Stück zu Tage gefördert. Wenn er sich aber heute nach jahrelangem Studium fragt, ob er thatsächlich nennenswerte Erzeugnisse jüdischer Kunst zu Gesichte bekommen, so wird er dies verneinen müssen. Die bildenden Künste standen bei uns von jeher wenig in Blüte, seit der Zerstörung des Tempels sind sie völlig verschwunden. Die Denkmäler bildender Kunst, deren wir uns rühmen, sie sind Erzeugnisse der Kunst derjenigen Völker, in deren Mitte wir leben, es sind Gegenstände und Bauten, von Andersgläubigen im Stile ihrer Zeit zu Zwecken des jüdischen Kultus ersonnen und ausgeführt. Inwieweit die bildenden Künsie im Dienste des Judentums den Anforderungen gerecht wurden, welche der Kultus an sie stellte, soll uns zunächst beschäftigen. Betrachten Sie einmal unsere herrlichen Baudenkmäler, die Synagogen, auf welche so viele unserer Gemeinden mit Recht stolz sind. Was hat ein derartiger Bau Charakteristisches, spezifisch Jüdisches an sich? Giebt es in Stil oder Grundriss auch nur das Geringste, was uns das Gebäude als Stätte des jüdischen Kultus kennzeichnen würde? Wir haben uns daran gewöhnt, unsere Gotteshäuser in maurischem oder romanischem Stile zu erbauen, nicht aus irgendwelchen künstlerischen Gesichtspunkten heraus, sondern nur aus Mangel an befähigten jüdischen Architekten. Die spanischen Juden Hessen ihre Synagogen im maurischen Stile erbauen, weil ihnen die herrlichen arabischen Kunstdenkmäler jederzeit als Vorbilder vor Augen standen, vielleicht auch, weil ein gemeinsamer religiöser Zug Juden und Araber verband. Auch entsprach der vorwiegend runde Grundriss der arabischen Gotteshäuser, wie wir noch hören werden, den Anforderungen des jüdischen Kultus besonders gut und so finden wir auch in unseren Landen — ich erinnere nur an die Berliner Synagogen in der Linden- und Oranienburgerstrasse und die Budapester Synagogen in der Rombach- und Tabakgasse — eine Anzahl Synagogen, welche, meistens allerdings nur in der Fassade, maurische Motive aufweisen. Neben diesem Stile wurde in den Ländern, welche der Zug spanischer Einwanderer nicht berührte und wo arabische Vor-