Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Die Lewaja
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 337 - 338 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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337 Felix Feuchtwanger: Die bildenden Künste im jüdischen Kultus. 338 AUFRISS EINER SYNAGOGE. bilder fehlten, der romanische Stil bevorzugt. Aus Italien sind uns daneben Renaissancebauten erhalten. Der gothische Stil scheint bei Synagogenbaumeistern wenig Anklang gefunden zu haben, wohl wegen des bei diesem Stile nicht gut zu umgehenden Bildwerkes (Dachreiter, Drachenköpfe, Eckfiguren), vielleicht auch wegen der hohen Kosten, welche die hierbei unerlässlichen Steinmetzarbeiten verursachten. Die frühere Regensburger Synagoge und einige andere, beispielsweise die Erfurter, zeigen die Gothik mehr in der Anlage als in ihrer Ausstattung. Auch die Erbauung von Synagogen im Barok- und Rokokostite mag am Kostenpunkte gescheitert sein, künstlerische oder rituelle Bedenken kamen sicher nicht in Betracht, wenn uns Synagogen in diesen Stilarten nicht bekannt sind. Fragen wir uns nun, welchen Anforderungen das jüdische Gotteshaus in baulicher Hinsicht zu entsprechen hat und wie sich diese in unseren Synagogenbauten berücksichtigt finden. Für den eigentlichen Gottesdienst kommen in der Synagoge zwei Stellen in Betracht: das Betpult des Vorbeters, der Omed, und die Estrade für den Vorleser, der Almemor. Vom Omed aus richtet der Vorbeter als Sendbote der Gemeinde sein Gebet an Gott, der Omed, nach Osten gerichtet, bedurfte daher keiner architektonisch hervorragenden Stellung, im Gegenteil, mit Rücksicht auf den Psalmenvers „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr," war es Brauch, ihn einige Stufen tiefer, als den Boden der Synagoge, zu legen. Der Almerhor dagegen, zum Verkehre des Vorlesers mit der Gemeinde bestimmt, bildete naturgemäss den Mittelpunkt der Synagoge. Auf dem Almemor fanden die Vorlesungen aus der Thorah und Megillah statt, vom Almemor herab erschollen die Klänge des Schofar, dort wurden die Casualgebete und das Gebet für den Landesherrn verrichtet. Man wies daher dem Almemor eine erhöhte Stelle in Mitte der Synagoge an, damit das dort Vorgetragene allen Andächtigen in gleichem Masse verständlich sei. Die Lade zur Aufbewahrung der Thorahrollen, die Menorah zum Anzünden des Chanukahlichtes, die Ampel für das ewige Licht und die Betpulte für die Gemeindemitglieder vervollständigten die Einrichtung einer alten Synagoge. Wie weit nähern sich nun unsere modernen Synagogen diesem, durch die Anforderungen des Gottesdienstes gegebenen Vorbilde? Der durch die Anordnung des Almemor in der Mitte der Synagoge gegebene runde Grundriss ist fast durchweg in Wegfall gekommen. Natürlich, der christliche Architekt unterzog sich nicht gerne der Mühe, ganz neue Dach- und Hallenkonstruktionen zu ersinnen, um den jüdischen Eigenheiten Rechnung zu tragen. Die Bauherren hätten vielleicht das Originelle an seinem Werke garnicht zu würdigen gewusst und Mühe und Erfindungsgabe wären nicht entsprechend belohnt worden. So arbeitete er denn nach Mustern, welche vorhandene christliche Gotteshäuser boten. Die katholischen Architekten sind gewöhnt, durch imposanten architektonischen Aufbau auf die Andächtigen zu wirken, da es bei ihrem Kultus mehr auf Erzielung äusserlicher Eindrücke, als auf den innerlichen Gehalt des den meisten Andächtigen schon aus sprachlichen Gründen unverständlichen Gottesdienstes ankommt. Stimmung muss daher schon beim Betreten des Gotteshauses hervorgerufen werden und dazu bediente man sich neben anderen Mitteln der Baukunst. Der Synagogenbau jedoch stellt ganz andere Anforderungen an den Architekten. Was kümmerte ihn das? Der runde Grundriss der alten Synagoge verschwand und an seine Stelle trat ein Hallenbau mit Haupt- und Seitenschiffen und Apsis. Christliche Gotteshäuser zeigen ja mit wenigen Ausnahmen — genannt sei hier GRUNDRISS EINER SYNAGOGE.