Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Jacob Plessner
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 269 - 270 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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269 G. Kutna:'Jacob Plessner. 270 J. PLESSNER. FRAUENPROFIL. Plessners. Der Bauer neigt sich nach vorn und giebt dem Pflug die Richtungslinie. Er lenkt das mechanische Werkzeug, den Pflug, und durch dieses die organische Kraft des Gespanns. Gedankenlos hält er sein Pfeifchen im Munde und neigt sein ganzes Wesen der Thätigkeit zu und ihren Werkzeugen. Neben ihm die Frau. Dasselbe Streben in anderer Form. Sie hält die Peitsche und die Leine. So hält sie Wacht, dass die Richtungslinie, die der Mann angiebt, sich nicht verschiebe durch den anderen Willensfaktor, das Tier. Und dieses gehorcht der überlegenen Direktive. Animalisch dumpf ziehen sie in langsamer, schwerfälliger Bewegung. Ruck auf Ruck geht es weiter in einseitlich reagierender Kraft. Die gereckten Körper schieben sich weiter, wie vorwärts geschoben von der geschwungenen Horizontale des Pfluges und der Leine, der gesenkten Peitsche und dem zielstrebenden Intellekt des Mannes. Darin liegt die abgeschlossene Einheit dieser mannigfachen Formen von Lebens-, Willens- und Kraftäusserung. „Halbfigur eines Jünglings." Ein schlanker Körper, nach hinten verschränkte Arme, den Kopf zur Seite geneigt. Diese Neigung des Kopfes lässt eine kurze, schroffe Linie am Halse hervortreten, wodurch eine plötzliche . Ueberleitung von Kopf und Rumpf entsteht. Mund, Kinn, Lippen, Nase breit angelegt, aber durch diese Biegung zur Seite auf's Anmutige interpretiert; der Kopf reagiert seitlich, die Augen folgen der Bewegung und berühren dort etwas spielend und leicht. Und die Locken legen sich kindlich darüber, in breiten welligen Linien. Der psychische , Inhalt und. seine Bewegung tritt zurück, und das Decorativ-Formale der Erscheinung erhält stärkere Betonung. Der Vorwurf liegt in der Schlankheit des Körpers, der von dem Einheitsverlangen der menschlichen Anschauung zur organischen Ganzheit weiter komponiert wird, und in dem Verhältnis zur Umgebung durch die seitwärts blickenden Augen. Dadurch entsteht eine unsichtbare, gedachte Linie, die die leise Bewegung des Körpers lebendiger macht durch die psychischen Beziehungen zu der umgebenden Welt. „Kopf eines Römers". Eine Darstellung gespannter Energie, entschlossenen Wollens. Die Stirn ist vom Haar verhüllt, des Denkens braucht es nicht mehr; alle Muskeln sind zusammengezogen, alles Leben auf Aktion gespannt. Die Augen in ihre Höhlen eingepresst, aufs Ziel eingespannt. Die Backenknochen von den Zähnen in fester Kontraktion eingeschnürt, die Wangenlinien fest anliegend, und Mund und Kinn herb und straff zurückgepresst. Die ganze Wucht dieser gespannten Thatkraft dringt dann unten in den Organismus und knickt die Schultern ein, die sich contractu in die harten Knochen einklammern. „FrauenprofU". Im Gegensatz zu dem willensbetonten Leben des männlichen Kopfes das zarte Porträt eines Weibes. Fein empfindsame Bewegung, Nerven und Nerven und weiches, welliges Haar. Das Haar legt sich in spielender Bogenlinie über die Stirne; die vStirne fügt sich sanft in das Gepräge des Gesichtes, in leichter Wölbung dem Kopfhaar und dem Auge zugeleitet; dann in begrenzter Profillinie zur Nase hinüberbiegend. Von da zieht sich die Linie, sanft bewegt, weiter nach unten. Und daneben die linde bewegten * * *- "j . ■* * \ - > /; »,ff» , s" »**■• x -»v t~* ,/ 'fttf^^k-'Z" * "V^* ' '^$§£^\'*?~ J. PLESSNER. KOPF EINES RÖMERS.