Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Jacob Plessner
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 267 - 268 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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267 G. Kutna: Jacob Plessner. 268 J. PLESSNER. RUDOLF VIRCHOW. die dekorative Bildhauerei bei Ernst Westphal und bereitete sich zugleich für das Studium der rein künstlerischen Bildhauerei vor. 1896 bestand er an der Akademie die Prüfung im Porträt-Modellieren und würde nun Schüler von Janensch, Herter, Peter Breuer und Paul Meyerheim. Im Jahre 1901 wurde ihm für ein Jahr der Michael-Beer-Preis zu einem Studienaufenthalt in Italien zuerteilt, der ihm dann für ein weiteres Jahr bewilligt wurde. Als Preisarbeit hatte Plessner das Relief „Nach der Arbeit" geschaffen. Tüchtiges Können und Frische des Geschmacks zeichnen das Werk aus. Fünf Menschen in nackter Schönheit, draussen in der Sonne, mit dem Ertrage ihrer Arbeit. Da ist die Erde und der Mensch. Der Mensch aber ist schön, und so zeigt der Bildner, wie diese Menschen schön sind bei ihrer Arbeit, wie sie nach der Arbeit zur Ruhe und Schönheit zurückkehren. Die Körper heben sich vom Hintergrunde ab, von den Aehren und Halmen, den Bäumen und den Linien der angedeuteten Landschaft. Aus verschiedenem Gesichtswinkel gesehen,, zeigt der Körper die verschiedenen Formen seiner organischen Schönheit; Seitenansicht, Bruststellung, Neigung und Rückenansicht. Und dann wieder ein Gegensatz: Jugend und Alter, und wieder: Mann und Weib und Kind. Links der vorwärts schreitende Mensch, etwas heroisch in der Linie und dem Gestus, aber in seiner vertikalen Bewegung wirkungsvoll abgehoben von den schweren Linien des Garbenbündels. Dann der Mann in Vorderansicht und das Weib. Die beiden bilden die Einheit des Reliefs, die anderen fallen nach Erscheinung und Gebahren mehr aus dem Zusammenhang heraus. Der Mann in der architektonischen Struktur männlicher Schönheit, das Weib in leiser Seitenbiegung, wodurch die rhythmisch bewegte, mehr musikalische Schönheit des weiblichen Körpers zu Tage tritt. Als weitere Gegensätze der alte, gebeugte Körper mit dem tüchtig herausgearbeiteten Kopf und der Junge, der in zusammenhanglosem Nebeneinander die Gruppe abschliesst und mehr an einen akademischen Akt erinnert. „Auf dem Felde". Wir stehen am Rain. Sommerlich flimmert's über der Erde, und .weithin ist's still. Und dort am Abhang regt sich leise bedächtig das Leben. Langsam rückt der Pflug vor und senkt und hebt seine Furchen. Dahinter der Landmann. Der Boden und seine Kräfte, der Mensch und seine Zwecke. Nichts regt sich ringsum, und in Hitze und Schweiss geht der Mensch fernen, künftigen Zwecken nach. Und da ist es, als schweige alles, damit Mensch und Erde sich finden und ihr stilles Zwiegespräch halten über die gemeinsamen Freuden und Leiden. Aus den Psalmen spricht zuweilen ein Geist, der dieser Erscheinung ihre Schönheit abgelauscht, Gottfried Keller hat sie mit der feinen Charakteristik seines Stils gezeichnet, und die bildende Kunst ging ihr immer wieder nach, seitdem man die Schönheit der Arbeit erkannt hat und der „pflügende Bauer" ein beliebter Gegenstand der Darstellung geworden. Von dieser Stimmung erzählt auch das Relief J. PLESSNER. HALBFIGUR EINES JÜNGLINGS.