Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Geskel Saloman
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 251 - 252 (sequence 4)
- Language
- German
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251 Dr. Adolph Kohut: Geskel Saloman. 252 „Der Sieger Heimkehr", den siegreichen Einzug eines französischen Truppenkörpers in Paris in den Tagen des Direktoriums darstellend. Die Gestalten der Generale Bernadotte und Angerau, welche an der Spitze des Heeres stehen, sind von frappanter Lebenswahrheit. Das' Bild wurde von den Damen und Herren der schwedischen Gesellschaft dem schwedischen Königspaare zur silbernen Hochzeit desselben 1882 gespendet und hängt im Königlichen Schlosse zu Stockholm. Denseiben Beifall erhielt auch das 1886 geschaffene Kolossalbild „Gustaf Vasa und die Dalekarlier.'*' Noch zahlreiche andere Motive aus dem gesellschaftlichen Leben und der Geschichte Schwedens und Norwegens hat er in prächtigen Bildern zum Ausdruck gebracht. Wie die eigenartige Natur dieser Länder und die des Volkslebens, so hat seine Palette auch die Züge zahlreicher bedeutender schwedischer Männer und Frauen in unvergänglichen Gemälden verewigt. Im Berliner Salon vom Mai 1900 befanden sich einige Gemälde des Meisters, welche davon Zeugnis ablegen, dass er noch auf der Höhe seines Ruhmes und Schaffens es gleichsam als Herzensbedürfnis empfand, das Reine und Edle des jüdischen Familienlebens zu verherrlichen. „Die Einsegnung der Sabbathlichte" (Lichterbenschen) ist ein wahrer Edelstein in diesem Genre. Sinnig und innig, mit der ganzen Pietät seiner Seele, hat er hier den einen, jedem jüdischen Kinde unauslöschlich in die Erinnerung geprägten Vorgang des Lichterbenschens beim Sabbath-Aufgang dargestellt. So mancher jüdische Besucher der Kunstaus- GESXEL SALOMAN. MUSEUM, STOCKHOLM. JUNGES MÄDCHEN MIT BRIEF. Stellung, seinem Glauben und seinem Stamme schon halb entfremdet, konnte sich in der Erinnerung an das Elternhaus einer tiefen Bewegung bei der Betrachtung dieses Gemäldes nicht erwehren, als er hier beim festlich gedeckten Sabbathtisch eine junge jüdische Mutter mit inbrünstig nach oben gekehrten Blicken ihre Hände segnend über die Sabbathlichte breiten sieht, während die ältere Frau an der anderen Seite des Tisches, auf dem wir die Barches unter dem üblichen Deckchen, den Kidduschwein und den Blumenstrauss bemerken, ebenfalls segnend ihre Hände erhebt. Wir wissen, dass dies ein echt jüdisches Haus ist, in das jetzt die Heiligkeit des herannahenden Sabbath, die Sabbath-Braut mit all' ihrer Weihe und dem frommen Familiensinn, eingekehrt ist. Der Vergleich mit den Oppenheim'schen Bildern aus dem jüdischen Familienleben liegt hier nahe, und ist auch das Saloman'sche Gemälde kulturhistorisch nicht so bedeutend und auch nicht so effektvoll, wie das des grossen Frankfurter Malers, so ist es dafür stimmungsvoller und erhebender. Alle seine Schöpfungen tragen das Gepräge einer ernsten und idealen Lebensauffassung. Ein strenger, aber warmer Zug kennzeichnet sowohl ihn selbst, als auch seine Gemälde. Er stellt fest drakonische Ansprüche an die Reinheit in der Kunst und ist fest durchdrungen von dem unserem israelitischen Stamme eigenen Festhalten an den edlen Ueberlieferungen der Religion, der Ethik und des Gesetzes. So konnte er z. B. niemals so recht eigentlich den Schmerz, den ihm der im Jahre 1837 erfolgte Tod seiner innigstgeliebten Mutter bereitete, überwinden, und ihr Bild, jugendlich und anmutig, mit innigem, ernstem Blick, diente ihm als Motiv zu dem soeben skizzierten Bild: „Die Einweihung der Sabbathlichte". Zeit seines Lebens ein frommer, pietätvoller Sohn Israels, verrichtete er nach den Vorschriften unserer Religion ein volles Jahr lang nach dem Tode seiner Eltern jeden Tag das sogenannte Kaddisch-Gebet für ihre Seelenruhe. Nach seines Vaters Tod im Jahre 1848 besuchte Geskel Saloman nicht allein täglich den Gottesdienst, bei dessen Schluss von ihm das Kaddisch-Gebet gesprochen wurde, sondern schloss sich auch, um seinem tieferschütterten Gemüth eine Beruhigung zu geben, einem kleinen Kreise talmudkundiger Männer an, die jeden Nachmittag zusammenzukommen pflegten, um über ein Traktat im Talmud zu diskutieren, d. h. den sogenannten „Pilpul" zu betreiben. Ich weiss nicht, ob der Künstler sein Gemälde: „Die Talmud-Diskussion", woran er lange gearbeitet, zu Ende geführt hat. Die charakteristische Gestaltung der Talmudisten, sowie ihrer scharfsinnigen, durchgeistigten und ernsten Züge und ihrer Kostüme war von vollendeter Plastik. Auch als Archäologe hat sich Geskel Saloman in der wissenschaftlichen Welt einen geachteten Namen erworben. Er schrieb u. a. die Schriften „Die Statue der Venus von Milo'-, „Die Statue des Belvederischen und