Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Die Juden von gestern
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 221 - 222 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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221 Die Juden von Gestern 222 -3l§L;.\ I^%äv-;;?$$|tifev ^^e^-^ c - f<^*9äf'.v fe--v; CH, LANDELLE. zeitig und ohne Wissen und Willen des Verfassers oder Verlegers öffentlich Gebrauch zu machen. Als nun Herr Max Nordau auf diese nicht ganz saubere Weise in den Besitz des Artikels gelangt war,*) begab er sich in den Olymp, holte den schärfsten Blitz herunter und Hess ihn auf das Haupt des argen Frevlers niederzucken. Dieser Blitz erschien in der Gestalt eines gehässigen Pamphlets, welches durch Dr. Herzl und die Redaktion der „Welt", an alle jüdischen Zeitungen mit der Bitte um Abdruck versandt wurde. Für eine adäquate Bezeichnung dieses Schriftstücks müssten wir — bei Herrn Nordau selber eine Entlehnung machen. Es ist ja bekannt, dass bei Herrn Nordau, so oft ihm die Argumente fehlen, das Schimpfwort zur rechten Zeit sich einstellt. Diesmal scheinen ihm die Argumente ganz und gar gefehlt zu haben, denn er ergiesst über das Haupt seines ritterlichen und vornehmen Gegners eine Flut von so unglaublichen Beleidigungen, die wir selbst Herrn Nordau nicht zugetraut hätten. Er hat sich selber wahrlich übertroffen. Wir bitten unsere Leser *) Wir wollen den beiden Unfehlbaren keinen Vorwurf daraus machen, dass sie sich nicht der hebräischen Urschrift bedient haben: vermuthlich war gerade keiner zur Hand, der sie ihnen hä.te entziffera können. JERUSALEM. sehr um Entschuldigung, dass wir uns erlauben, der Charakteristik wegen mindestens eine kleine Blütenlese der weniger duftenden Epitheta des Herrn Nordau hierher zu setzen: nichtswürdige Burschen, gegnerische Bosheit, Flachkopf, Dreistigkeit, nichtswürdige Unterstellung, Lügner, verkrüppelter, verachteter Sklave, Missbildung des Geistes, töricht, beschränkt und tückisch, böswillige Denunziation, tückisch und treulos, Faselei, Bauernfängerei, Blödsinn . . . Doch genug! Achad Haam wird vermutlich diese gründliche Widerlegung mit einem feinen Lächeln um die Lippen gelesen und sich, insofern er's nötig hatte, damit getröstet haben, dass er sich in guter Gesellschaft befindet. Herr Max Nordau hat ja. bekanntlich Wagner, Schopenhauer, Hartmann, Nietzsche, Tolstoj, Dostojewski, Ibsen, Gabriele d'Annunzio für Trottel, Narren, unwissende Bengel, Nervenkranke, Entartete, wenn nicht gar für Schufte und Lumpe erklärt. Maeterlinck ist ihm ein armer Laller, Zola war ein stumpfsinniger, unfähiger Handwerker und ein geldgieriger Lump. Noch kurz vor seinem Auftreten in der Dreyfus-Sache war Zola für Herrn Nordau ein Schmierfink und gemeiner Charakter, die Brüder Goncourt sind Dummköpfe, Georg Brandes ein seichter Schwätzer und Impresario ....