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Ost und West · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. Seite 203 - 204

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Jüdische Kunst und jüdisches Kult- und Hausgerät
Date
1903-03-01
Page
Seite 203 - 204 (sequence 2)
Language
German
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203 Dr. S. Weissenberg: Jüdische Kunst und jüdisches Kult- und Hausgerät. 204 .\ V-'.. * ,• ••«•:,• > '• . '4i;-;. VIÄ 4 ' "v 'Virr^StfMk" "^t^:{--'--':;-;:- ■ ' vi ^^c-^ ^^^^^^^^^^<^^ Vs?": ^; J'lllJ "5* i ÄV- '■ \ '' ' . '•'*•: >". .>! "■-^j5*-',''. . 'r , ♦ •> : -. -. j ■ ■• -'V - r-; - . .v'^,r; - j ■v. H h'i ■ K ... •. •>; . -■• wv v . '/•'."' ' * \* ,-'/'-."■>"*;/ .; - - r; ^v.^-r^ ' ' - :.• #;.' ■f>;.' . ■; " l'.V. .. 1.. % - 0 :' '; : i •' ' ' m 'ij%V •.**;• :■;?>:■■;;;. «'" '' ■ .•'/. •' •: ■: ' ■ " .' ='.; ..." . ' ,/i : . •<••• - ■—-? _ ■■ .._ / ' -s y *-. •■■ " . '•' LAU.'i.> Figur 2. machen und so die jüdische Nation zu veredeln und sie zu bewussten Trägern ihrer nationalen Idee zu machen, müsste vorerst auch eine jüdische Ornamentik geschaffen werden, deren Elemente im Hausgewebe und bei Frauenarbeiten Verwertung finden könnten. Dass mit dem immer wieder vorgebrachten Davidsschilde und den segnenden Priesterhänden die jüdische Symbolik noch lange nicht erschöpft ist, beweist schon das Studium des kleinen Museums, das ich mein eigen nenne. Die geradezu unerträgliche Wiederholung des gleichen Motivs bei einem jüngeren jüdischen Dekorationszeichner ist doch nur ein Zeichen dafür, wie wenig die jüdischen Kunstwerke, . besonders das jüdische Kult- und Hausgerät, bis jetzt studiert ^"worden sind. Ich möchte dies an der Hand einiger Gegenstände aus meiner Sammlung beweisen. Fast in jeder jüdischen Wohnung ist ein häufig kunstvoll komponierter und ebenso ausgeführter „Misrach" zu finden. Wenn wir von den modernen Oeldrucken absehen, lassen sich zwei Gattungen unterscheiden; die eine ist auf Papier- Canevas mit verschiedenfarbigen Baumwollfäden gestickt; die andere ist aus Papier geschnitten, teilweise bemalt und auf einen farbigen Hintergrund aufgeklebt. Ich besitze ein schönes Exemplar der ersten Gattung, das zugleich das Vorkommen des Adlers, des Hirsches und des Löwen auf jüdischen Gegenständen erklären kann. Ein „Misrach" ohne irgend eine Anspielung auf Pirke Aboth V, 21 ist selten. — Ein anderer aus Papier geschnitzter „Misrach" (Fig. 1) zeigt in der Mitte einen stilisierten siebenarmigen Leuchter, an dessen Fuss sich zwei Hirsche stützen; um den Leuchter windet sich ein Fisch; um denselben ist der Tierkreis angeordnet mit dem Zeichen für den Frühlingspunkt (Widder) oben; ich möchte hier nebenbei auf die Symbolik der einzelnen Tierkreiszeichen aufmerksam machen, ohne eine detaillierte Beschreibung zu geben. Der Tierkreis wird unten von zwei Löwen und an den Seiten von zwei Greifen getragen; weiter oben eine anmutige Gruppe von sechs Vögeln. Der übrige Raum ist mit pflanzlichen Ornamenten ausgefüllt. Ein zweites sehr häufiges Objekt für kunstgewerbliche Arbeiten stellt die Riechbüchse dar, von deren Mannigfaltigkeit Fig. 2 einen Begriff giebt. Wir sehen auch hier das Löwenmotiv wiederkehren, treffen aber auch ein ganz neues an, Eichenblätter und Eicheln, vielleicht als Sinnbild der Stärke und UnVergänglichkeit, Eigenschaften, die dem jüdischen Volke nicht abzusprechen sind. Von ganz eigener Art ist die pagodenähnliche Form der mittleren Riechbüchse. Der Vogel, der die eine Riechbüchse krönt und dem wir auch sonst begegnen, scheint in besonderer Beziehung zum Gebet zu stehen. Sein freier, scheinbar unbegrenzter Flug in die Höhe, so dass er häufig sogar im blauen Aether zu verschwinden scheint, soll die gröbste Vorstellung von der Wirkung des Gebets — das Hinaufsteigen unserer Bitten bis an den Tron des Allmächtigen — versinnbildlichen. Ich glaube für diese Ansicht eine Stütze zu finden in der Form der Brote für das Neujahrs- und Versöhnungsfest. Auch da sehen wir als Symbol des allmählichen Emporsteigens in die Höhe eine Spirale, die in ein „Voigel" genanntes Stück endet. Die Brote werden überhaupt „Voigten" genannt. Ein anderes beliebtes Motiv ist der Fisch, wahrscheinlich das Symbol der Fruchtbarkeit. Fig. 3 zeigt ihn auf einem Purimkuchen, auf welchem er sehr häufig vorkommt. Dieses Muster finden wir oft auch auf einem Misrach. Ich besitze auch eine niedliche Psomimbüchse in Form eines Fisches. Kurz möchte ich noch auf ein Motiv hinweisen, nämlich das Schaf unter den Löwen, als Symbol der Lage des jüdischen Volkes (in meiner Sammlung auf einem Sabbathbecher eingraviert). Dass das Pflanzenreich Figur 3.

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