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Ost und West · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. Seite 205 - 206

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Jüdische Kunst und jüdisches Kult- und Hausgerät
Date
1903-03-01
Page
Seite 205 - 206 (sequence 3)
Language
German
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205 Dr. S. Weissenberg: Jüdische Kunst und jüdisches Kult- und Hausgerät. 206 nicht nur durch den hässlichen Dornenstrauch vertreten ist, ist schon aus den obigen Abbildungen zu ersehen. Ich besitze noch eine solche, ein Thoraschildchen mit zwei Blumentöpfen, aus denen stilisierte Blumen emporwachsen; auch die Säulen und die Krone zeigen Pflanzenornament. Zum Schluss möchte ich einige Andeutungen machen, die für die moderne Frage nach der Entstehung des Ornaments vielleicht nicht ohne Wert sind Ich besitze drei messingene Channkkah-Lämpchen wie sie von Russland bis nach Afrika verbreitet sind. Das eine zeigt in der Mitte eine Blume in einem schöngeformten Topfe, an beiden Seiten der Blume je einen stilisierten Hirsch (?); mehr zur Seite pflanzliches Gitterwerk, das oben von je einem gekrönten Tier (?) abgegrenzt wird; oberhalb der Blume stützen zwei deutlich ausgebildete Löwen eine Krone. An dem anderen Lämpchen ist die Stilisierung schon viel weiter durchgeführt, indem die Pflanzenteile hier schon verschwommen erscheinen; die Krone ist kaum noch als eine solche zu erkennen und die Löwen sind zu stilisierten Tierköpfen verallgemeinert. Das dritte Lämpchen giebt das Schlussstück einer solchen wahrscheinlich unbewusst fortschreitenden Stilisierung, deren Grund vielleicht im Verfall der Kunst oder in der Hilflosigkeit der Nachahmer zu suchen ist: An die Stelle des tierischen und pflanzlichen Ornaments tritt ein rein geometrisches, dessen Ursprung aber auch jedem Laien beim Vergleich mit den beiden ersten Lämpchen klar wird. Ich könnte meine Ausführungen noch auf die Passahschüsseln, die Mazzothsäckchen, |die Thorakronen, -zeiger und -mäntel und vieles andere ausdehnen, glaube aber schon mit den wenigen Hinweisen gezeigt zu haben, welch ein symbolischer und ornamentaler Schatz in den mannigfachen jüdischen Kult- und Hausgeräten verborgen liegt, den zu heben unsere Pflicht ist. KAUKASISCHE BERGJUDEN. Von M. F. Die Juden im Kaukasus haben für die allgemeine Geschichte der Juden eine gewisse Bedeutung. Sucht man doch noch heute unter ihnen die Nachkommen der „zehn Stämme", die während des Exils im Süden des Kaspischen Meeres angesiedelt waren. R. von Erckert, der zwei Jahre in hoher militärischer Stellung im Kaukasus lebte, sagt in seinem 1887 erschienenen Werk: „Der Kaukasus und seine Völker": „Die sogenannten russischen Juden sollen in Armenien, Grusien und dem Kaukasus schon im dritten und zweiten Jahrhundert v. Chr. gewohnt haben und dorthin aus Kleinasien, Babylonien gekommen sein. Vom Kaukasus aus zogen sie nach dem kaspischen und schwarzen Meer, nach Chasarien, .Russland und Deutsch- GEBIRGSJUDEN AUS KAUKASIEN. land". Im 8. Jahrhundert traten die oberen Klassen des am Kaspi-See bestehenden Reiches der Chazaren zum Judentum über. Augenscheinlich vielfach mit Juden gemischt sind noch heute die Grusier, Lesghier und namentlich die Tschetschenzen unter den Völkern des Kaukasus. Nach Nachrichten bei Moses von Chorene haben einige jüdische Familien, namentlich die Bagratuni, d. h. die Vorfahren der russischen Fürsten Bagration, im zweiten Jahrhundert vor Chr. und später in Grusien und Armenien eine grosse Rolle gespielt. Heute sind die Juden im Kaukasusgebiet am zahlreichsten im dem durch seine Petroleumquellen bekannten Gouvernement Baku (etwa 10000 Juden), im- Gouvernement Kutais (6000 Juden), in Tiflis, in Ter'schen und Kuba-

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